Meine Radreise durch Norwegen 2010

  • Mittwoch, 30. Juni - Freitag, 02. Juli 2010, Anreise und Tag 1 Oslo - Østre Nes (Sandefjord) :


    Pünktlich um 17 Uhr wurde ich von zu Hause von meinem "Radkumpel" noch mit einem kleinen Umweg über Altrip für eine letztes gemeinsames Weizenbier abgeholt.
    Dabei entstand dann dieses Bild hier...
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    ...von mir. Sehe da nicht gerade begeistert aus :P .
    Das Bier hat so richtig gezischt und ich war anschließend rechtzeitig in Mannheim am Bahnhof. Der Zug fuhr pünktlich ein und was ich dann vergeblich gesucht habe, war das Fahrradabteil. Wegen Defekts gab es einfach kein Radabteil und so musste mein Rad vorne im ersten Wagen im Gang parken. Dort habe ich es am Handlauf vor dem Fenster gut angeschlossen und so war ich zusammen mit dem Rad im Zug.
    Nach dem Betriebshalt in Fulda, dort wird der Basler mit dem Münchner Zugteil vereinigt, habe ich dann versucht zu schlafen. Das ist mir nur teilweise gelungen, da der Zug über die Altbaustrecke fährt und man dabei wegen der zahlreichen Kurven ganz schön in der Koje hin und her geworfen wird. Immerhin wurde man diesmal nicht vom Zoll in Padburg geweckt. Eine Neuheit. Habe mich da immer geärgert. Während man im Auto völlig unbehelligt über die Grenze fahren kann, muss man sich im Zug ausweisen und wird auch noch geweckt :thumbdown:.
    Der Zug war dann fast pünktlich in Kopenhagen, bei bestem Wetter. Zuvor hatte ich mir im Speisewagen leider ein nicht ganz so reichhaltiges Frühstück gegönnt
    Ich machte dann eine kleine Stadtrundfahrt.
    Hier...
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    ...fehlt...
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    ...doch was?
    Nämlich das...
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    ... hier, dessen Original sich augenblicklich auf der Weltausstellung in Schanghai befindet, von wo auf der Videowand zu späterer Stunde Livebilder gezeigt werden.
    So...
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    ...sieht das dort eigentlich aus :8): .
    Direkt vor dem königlichen Schloss lag dann...
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    ...die bescheidene winzig kleine Yacht von Bill Gates.
    Außerdem gab es dort auch noch einige Segelschiffe zu bewundern, welche mir deutlich besser gefallen als dieses protzige Monstrum.
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    Auch ein kleinerer Plattenbau...
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    ...sowie ein Vertreter der Kussmundflotte war zugegen, wobei von letzterem noch die Rede sein wird.
    Bei meiner weiteren Tour durch Kopenhagen bin ich dann an diesem...
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    ...Schild, sowie an dieser...
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    ...sehr interessanten Unterwasserskulptur vorbeigekommen. Die steht einfach so in einem Kanal. Davor ist sogar eine Untiefentonne ausgelegt.
    Mein Rad steht direkt...
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    ...davor.
    Nochmals einige obligatorische Bilder...
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    ...vom Nyhavn, sowie von der...
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    ... Erlöserkirche. Die Kirche war leider wieder einmal geschlossen.
    Dann ging es an Bord der Crown of Scandinavia.
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    Der Heizergruß...
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    ...nutzte wenig, denn los ging es mit 10min Verspätung, wegen dem...
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    ..hier. Die Aida Cara durfte zuerst fahren.
    Endlich bewegte sich auch auf meinem Schiff etwas und die Reise begann.
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    Bei der Ausfahrt gab es dann noch diesen...
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    ...Plattenbau zu bewundern. In Rennversion mit Heckspoiler :P .
    Noch ein Blick auf die Öresundbrücke...
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    ...dann ging es zum Nachtessen ans Buffet. Das war wieder mal sensationell und ich habe da reichlich zugelangt. Gut gefüllt ging ich dann später wieder an Deck. Es gab einen tollen Sonnenuntergang im Kattegat. Die See war absolut ruhig und wir hatten Winstärke 0 und in Böen 1. Außerdem war es recht warm, so dass ich noch lange auf einer Backskiste an Deck gesessen habe.
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    Im Gegensatz zu Zügen kann ich auf Schiffen sehr gut schlafen, wenn nicht gerade unterirdisches Wetter ist. So habe ich auch diesmal sehr gut geschlafen und ohne Wecker hätte ich wohl auch das Frühstück und Aussteigen verschlafen ;) .
    Im Gegensatz zum Speisewagen im Nachtzug, fiel das Frühstück bei dem herrlichen Frühstücksbuffet äußerst reichhaltig aus. Rechtzeitig zur Passage der Drøbakenge war ich aber wieder an Deck.
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    Ein blinder Passagier:
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    Die Fahrt durch den Oslofjord war bei diesem herrlichen Wetter wunderschön. Dabei sind mir dann noch die folgenden Aufnahmen gelungen:
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    Dann wurde die Hafeneinfahrt...
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    ..passiert.
    Die deutlich teure Konkurrenz aus Kiel...
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    ...war auch schon in Sicht.
    Schnell noch ein Bild vom...
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    ...Holmenkollen mit der neuen Sprungschanze, sowie vom...
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    ...Rathaus gemacht, dann schnell in meine Kammer, es war übrigens eine sehr schöne und ruhig gelegene auf Deck 7 innen mit der Nummer 7200, dann zum Fahrrad auf dem Autodeck und alles startklar gemacht.
    Zum Glück durfte ich so ziemlich als erster von Bord rollen. So sind mir die Abgase weitestgehend erspart geblieben.
    Da ich Oslo bereits sehr gut kenne, habe ich sofort meine Tour begonnen, endlich.
    Zum Eingewöhnen ging es gleich die Steigung nach Ekkeberg hinauf. Dort sollte ich am Ende meiner Reise nochmals hinauffahren, da sich dort oben der CP von Oslo befindet. Man hat da eine sehr schöne Aussicht über die Stadt.
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    Noch ein letzter Blick zum Holmenkollen...
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    ...sowie auf mein Rad...
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    ...dann habe ich Oslo endgültig verlassen. Es gab dabei ein ewiges auf und ab und die Landschaft wurde dabei immer ländlicher und erinnert sehr stark an Schweden. Richtig typische norwegische Landschaften sucht man hier vergebens. Über sehr ruhige Nebenstraßen habe ich schließlich Moss erreicht und konnte direkt auf die Fähre nach Horten fahren. Nein, nicht ins Kaufhaus :D , sondern zum Westufer des Oslofjords.
    Ein Stück weiter, hinter einer Raffinerie, war erst mal anstrengenste Schiebearbeit angesagt. Denn in diesem...
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    ...Grobschotterbett kann man nicht einmal mit einem MTB fahren. Ich weiß nicht, was das soll, dass man einen Fernradweg über solch unterirdische Wege führt. Nochmals würde ich da nie und nimmer mehr lang fahren. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich auf der Straße geblieben.
    Nachdem ich mindestens eine Stunde durch den Schotterkäse verloren habe, bin ich ganz überraschend auf diese...
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    ...kleine Fähre bei Tønsberg gestoßen. Ein richtiges Kleinod. So sah das da landschaftlich aus:
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    Direkt daneben wohnt ein superreicher Norweger...
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    ...mit Speedboot.
    Wenig später kam nochmals eine, diesmal etwas größere Fähre. Die fuhr von Tenvik nach Engø. Da gab es noch einen Zwischenstop an einer Insel. Dort sind fast alle Fahrgäste ausgestiegen.
    Landschaftlich war das alles wunderschön dort, aber seht selbst:
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    Ich musste vom Fähranleger in Engø nur noch ein kurzes Stück bis zum Campingplatz in Østre Nes bei Sandefjord fahren, wo ich dann zu erstem Mal mein Zelt aufgestellt habe.
    112km, Durchnittsgeschwindigkeit: 18km/h, 1120Hm, alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, die gefahrene Strecke kann hier angesehen werden, Fortsetzung folgt.

  • Das ist ja ein toller Abendausklang :thumbup: :thumbup: . Vielen Dank für den Beginn Deines Reiseberichts und die tollen Fotos. Beim Anblick des Grobschotter-Fotos konnte ich mir Deine Enttäuschung gut vorstellen, aber Rest war ja erst mal wieder versöhnlich. Bin gespannt, wie es weitergeht. :8o:

  • Ach nööö Jürgen, jetzt geh' ich erst mal schlafen
    Das muss jetzt warten bis morgen früh mit frischem Kaffee :dance3:
    Aber dann .... :good3:
    Gute Nacht
    Renate

  • und so war ich zusammen mit dem Rad im Zug.

    Wieso, seid Ihr sonst getrennt gefahren ? ?( :mosking:


    Steigung nach Ekkeberg hinauf

    Den CP kenne ich auch gut, ist aber nur wegen seiner Lage zu empfehlen.
    Ansonsten war ich immer froh, wenn ich da wieder weg war :fie:
    Schöner Auftakt, Jürgen, bei deeeem Wetter, und schöne Bilder :thumbup:
    Jetzt möchte ich gerne die Fortsetzung - schnell :blush2:
    Gruß
    Renate

  • Schöner Anfangsbericht und tolle Fotos. Tja, wenn Engel reisen.
    Gruß aus Hamburg bei 21° und bedecktem Himmel
    Ronald

  • klasse bis jetzt, vielen Dank! Das lässt mich alles ein bisschen traurig werden, vorallem die Sonnenuntergangsbilder, aber ich bin trotzdem gespannt, wie es weitergeht. :clapping:

  • Samstag, 03.Juli 2010, Tag 2 Sandefjord - Kragerø (CP Lovisenberg)


    Als ich am Morgen das Zelt öffnete, traute ich meinen Augen nicht. Es herrschte dichter Nebel mit Sichtweiten so um die 150-200m, vielleicht auch etwas mehr, aber egal von Landschaft war so und so nix zu sehen. Immerhin war es trocken und so konnte ich die Bank samt Tisch in der Nähe meines Zeltes für mein ausgiebiges Frühstück benutzen.
    Danach ging es dann los. Zunächst war alles ziemlich dicht besiedelt und zudem war auch noch eine Menge Verkehr. In Larvik habe ich mich am Geldautomaten erst mal mit frischem Geld versorgt. Die Restbestände von meiner HR-Reise vom März gingen so langsam zur Neige.
    Danach wurde es dann endlich mal etwas ländlicher und es kamen auch ausgedehntere Waldgebiete.

    Es ging aber ständig bergauf und bergab. Deshalb kam nie ein gleichmäßiger Rhythmus auf und die Fahrerei war recht anspruchsvoll. Immerhin war es wenigstens windstill und der Nebel lichtete sich etwas, so dass man...

    ...wenigstens etwas...

    ...von der schönen Landschaft zu sehen bekam.
    Zwischen Brevik und Stathelle musste ein Meeresarm mittels einer Brücke überwunden werden. Da der Track auf dem GPS dort sehr ungenau war, habe ich die Zufahrt zur Brücke erst im zweiten Anlauf gefunden und es gab so eine extra Bergwertung. Habe es aber dann doch geschafft.
    Hier ein Blick aus luftiger Höhe auf die Brücke der E18:

    Nochmals ein Blick auf Brevik...

    ...sowie aufs Wasser ;) :

    Nach einiger Zeit ging es dann über einen unbefestigten Waldweg. Der war auch gar nicht schlecht zu fahren, da der Untergrund recht fest war. Nur die Steigungen waren mit deutlich über 10% alles andere als leicht zu fahren. Schließlich stand ich vor diesem Schild:

    Wenn man norwegisch kann ist das wohl kein Problem. Ich habe da nur so viel verstanden, dass da eine Gefällstrecke kommt und eine Schranke.
    Das stimmte natürlich, war aber trotzdem alles saugefährlich. Die Gefällstrecke ist mit dem glattesten Asphalt, den man sich vorstellen kann versehen. Unten endet das urplötzlich im Tiefschotter mit einer Schranke. Wenn ich da nicht vorsichtig gewesen wäre, hätte es mich da voll abgelegt. Bei so was werde ich richtig sauer. Ich weiß nicht was sowas auf einem Fernradweg soll. Auf der Autobahn kommt doch auch nicht plötzlich Schotter mit Schranken. Da werden Radfahrer unnötigen Gefahren ausgesetzt. Habe vor lauter Zorn völlig vergessen diesen Schei.. im Bild festzuhalten.
    Wenig später in Valle wurde es richtig touristisch. Da gab es einen Sparladen mit langen Öffnungszeiten, auch am Sonntag. Hier 2 Bilder von diesem wunderschön gelegenen Ort:

    Eigentlich wollte ich die Etappe heute etwas früher beenden, um auf irgend einem CP, das Fußballspiel Deutschland gegen Argentinien, zu sehen. Leider kam da nix passendes. Die CP, die kamen hatten kein Fernsehen und waren nur ganz spartanisch eingerichtet und waren auch nicht als WP im GPS. Der nächste CP im GPS war Lovisenberg bei Kragerø. Den konnte ich allerdings niemals zum Spiel erreichen. So ein Mist. Es blieb mir aber nix anderes übrig, als diesen CP anzusteuern. Immerhin wurde ich unterwegs mal von einem Rennradfahrer, ausgestattet mit Radio, sowie einem freundlichen Autofahrer über den Zwischenstand informiert.
    So war ich einigermaßen informiert und freute mich über einen möglichen Sieg, denn die letzte Information war 3:0 für Deutschland.
    Immerhin war die Landschaft sehr schön und es ging über kaum befahrene Straßen, weiterhin mit welligem Profil,...

    ...an schön gelegenen Seen vorbei.
    Ich musste noch einen relativ großen Meeresarm umrunden, ehe ich auf dem CP Lovisenberg festmachen konnte. Immerhin war das noch rechtzeitig für das Spiel Spanien gegen Portugal, welches ich mir dann angesehen habe. Dazu habe ich mir dann noch ein Bier gegönnt.
    138km, Durchschnitt 18km/h, 1700HM, alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, die gefahrene Strecke kann hier angesehen werden, Fortsetzung folgt.


    @Hamburgerin: Natürlich fahre ich immer zusammen mit meinem Rad :P , wenn ich es dabei habe ;) . Ich war halt froh, dass ich auch ohne Radabteil im Zug war. Zu Ekkeberg stimme ich zu 100% zu. Ich bevorzuge halt möglichst kleine und ruhige Plätze in ländlicher Umgebung. Dehalb wird der CP in Ekkeberg wohl nie mein Lieblingsplatz werden.


    @trollfjord: Für mich hätte die Fahrt von Kiel aus über das doppelte gegenüber der Fähre von Kopenhagen aus gekostet. Ich zahle doch gerade mal den Rad- sowie Liegeplatz im Nachtzug nach Kopenhagen. Außerdem ist es unmöglich am gleichen Tag mit Fahrrad rechtzeitig zur Abfahrt der Fähre nach Kiel zu kommen, da ICE-Züge keine Räder mitnehmen. Dehalb gibt es für mich zu Kopenhagen keinerlei Alternativen.


    @alle: Freut mich, dass der Bericht gefällt. Muss jetzt in die Falle. Habe morgen um 7.22 Uhr wieder Diensbeginn. Das geht dann bis 18 Uhr. Deshalb wird es mit der Fortsetzung bis morgen Abend dauern.

  • Zwischen Brevik und Stathelle musste ein Meeresarm mittels einer Brücke überwunden werden


    Hallo Jürgen,
    alle Orte, die Du beschrieben hast, sind uns von unseren vielen Soerlandet-Urlauben bestens bekannt. Du hättest (vielleicht beim nächsten Mal) ja den kleinen Ort Brevik aufsuchen sollen. Wir waren dort letztes Jahr und dieser Oret hat wirklich Charme. War ein bedeutender Handelsplatz früher.


    Vielen Dak für den 2.Teil, wir warten schon gespannt auf den 3.Teil.
    Danke! Gruß
    Ronald

  • Sonntag, 04.Juli 2010, Tag 3 Kragerø (CP Lovisenberg) - Arendal


    Heute war der Anblick beim Öffnen des Zeltes ungleich besser als am Vortag. Die Sonne schien von einem stahlblauen Himmel mit einigen wenigen weißen Wolken.
    Während der Morgentoilette, wurde dieser...

    ...Kamerad aus einer Duschkabine, wieder dorthin befördert, wo er eigentlich hingehört.
    Hier ein Blick auf mein Zelt...

    ...sowie die Örtlichkeit, wo kurze Zeit später mein reichhaltiges Frühstück stattgefunden hat. Das dauert üblicherweise so etwa eine Stunde und ist für mich fast die wichtigste Mahlzeit des Tages, neben dem Nachtessen, versteht sich.
    Da die Fähre von Kragerø nach Stabbestad erst über 2 Stunden später fahren sollte, es war Sonntag, habe ich mich entschieden, den 30km längeren Landweg außenrum, zu nehmen. Der war wunderbar zu fahren und führte über ganz kleine verkehrsarme Straßen durch sehr schöne Landschaften.

    Wenig später musste ich mit Entsetzen feststellen, dass die Fähre von Øysang nach Risør an Sonntagen nicht verkehrt. Das stand natürlich nur am Fähranleger selbst zu lesen und ich durfte den steilen Berg, welchen ich zuvor hinuntergerollt bin, gleich wieder hochfahren.
    Da hat sich mal wieder mein Navi bezahlt gemacht. Bin auch da dann über sehr schöne kleine Straßen auf dem Landweg weitergefahren.
    Kurz vor Kvernvik ging es das erste Mal etwas weiter nach oben und es kam ein Hauch von Norwegen auf, denn bislang glich die Landschaft doch sehr der in Schweden.


    Nach einiger Zeit und einer Mittagsrast an einer Tanke der E18, war dann Arendal erreicht. Dort war mir eindeutig viel zu viel Rummel und auch Verkehr. So habe ich mich dort nicht so lange aufgehalten.

    Kurz hinter Arendal war dann auf einem CP Schluss und meine Badehose kam auf dieser Reise erstmals zum Einsatz. Hier noch ein Blick übers Wasser:

    140km, Durchschnitt 18km/h, 1600Hm, alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, die gefahrene Strecke kann hier angesehen werden, Fortsetzung folgt.


    @Ronald: Kam vielleicht im Bericht nicht gut rüber, aber ich war sogar sehr ausführlich in Brevik, da ich dort mittels Stadtrundfahrt die Auffahrt zur Brücke nach Stathelle gesucht habe. Mein Track im GPS war dort sehr ungenau. Ich gebe dir aber absolut recht, denn Brevik ist ein wirklich sehr schöner kleiner Ort.

  • Hallo Jürgen,
    die Strecke von Risoer, Krageroe nach Arendal über die 351, 411 und 410 ist eine der schönsten Strecken abseits der E18. Wir sind sie das erste Mal 1995 mit dem Wohnmobil gefahren und fahren sie auf unseren Ausflügen auch heute noch. Wenn Du das nächste Mal wieder in der Gegenbist, lohnt sich ein Ausflkug auf Jumfruland sowie von Gjeving mit dem Boot auf die drei autofreien Inseln Lyngoer!


    Wir sind nächste Woche von Mittwoch bis Freitag in Arendal. Du hast recht, Arendal ist recht "turbulent" im Gegensatz zu den kleineren Städten Grimstad und Lillesand. Aber auch in Krageroe kann's ganz schön zur Sache gehen, besonders im Sommer, wenn Ferien sind.


    Vielen Dank für Teil 2 - ich bin im Geiste mitgefahren.
    Gruß
    Ronald

  • Montag, 5. Juli 2010, Tag 4, Arendal - Mandal


    Nach nächtlichem Regen ging es am Morgen, nachdem ich wie immer, reichhaltig gefrühstückt habe, bei bedecktem Himmel weiter. Nachdem das am Morgen zunächst gut angefangen hatte, der Weg führte über kleine Straßen ohne nennenswerten Verkehr, wurden die Wegbedingungen hinter Grimstad völlig unterirdisch. Ich bin da regelrecht im Sand stecken geblieben und hatte große Schwierigkeiten mein voll beladenes Rad schiebender Weise den Berg hoch zubringen.

    Wenig später kann man an einer Brücke der E18 sehen, dass im Gegensatz zu Radfahrern, für Autofahrer weder Kosten, noch Mühen gescheut werden.

    Das ganze hat mich unnötig Zeit und auch Kraft gekostet. Trotz allem habe ich dann, bei mittlerweile bestem Wetter Kristiansand erreicht. Dort ging es dann über eine...

    ...mächtige Brücke.

    In Kristiansand war dann wieder sehr viel Verkehr und ich habe zugesehen, dass ich dort Land gewonnen habe. Das war gar nicht so einfach, da die Wegführung der Radwege an einer großen Kreuzung recht unübersichtlich war und ich einfach nicht dorthin kommen konnte , wo ich hin musste. Ohne Navi wär ich ganz sicher falsch gefahren.
    Hinter Kristiansand ging es gleich wieder in die Natur und das mit erheblicher Steigung. Auch die Wegqualität wurde wieder deutlich schlechter, aber wesentlich besser als am Vormittag. Ich kam an mehreren einsamen Seen vorbei, wo ich mich dann, so wie Gott mich erschaffen hat, in die Fluten gestürzt habe, denn es war doch recht warm, das Wasser allerdings ar... kalt :P .

    Es ist immer wieder erstaunlich in Norwegen, eben war man noch mutterseelenallein in der Natur und im nächsten Moment steht man in einem Industriegebiet mit einem großen Rema Laden. Da habe ich mich mit frischen Getränken, sowie Bananen versorgt.
    Da ich jetzt genug von irgendwelchen Rüttelpisten hatte, habe ich mich entschieden mich zu meinem Ziel, dem CP in Mandal, per Straßennavigation führen zu lassen. Das hat ganz ausgezeichnet funktioniert.
    Das GPS hat mich über ganz tolle einsame Straßen, in herrlicher Landschaft geführt.

    Wenn man sich die beiden letzten Bilder so betrachtet, fragt man sich, für was es einen Nordseeküstenradweg über Rumpelpisten gibt. Das hier ist eindeutig besser und ich werde in Zukunft solche Radwege meiden und lieber über kleine Straßen fahren.
    Wegen der Schiebeaktionen war ich recht spät dran und habe dann auf weitere Fotohalte verzichtet.
    134km/h, Durchschnitt: 16km/h, 1500Hm, alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, die gefahrene Strecke kann hier angesehen werden, Fortsetzung folgt.

  • für Autofahrer weder Kosten, noch Mühen gescheut werden.


    Jürgen,
    der Autofahrer zahlt ja auch eine Menge Bompenge dafür. Jedes Mal wenn ich von Grimstad nach Kristiansand fahre, bin ich 50 NOK für die Hinfahrt und 40 NOK für die Rückfahrt los. Das läppert sich. Sieh Dir mal meinen Bericht über die Brücken entlang der Hurtigruten an. Da habe ich oft geschrieben, dass die und die Brücke für mehrere Jahre/Jahrzehnte mautpflichtig war. So geht das hier auch mit den Straßen. Irgendwann wird die Maut wieder abgeschafft, wenn die Autofahrer die Straße abbezahlt haben.


    Trotzdem erfrischend zu lesen. Vielen Dank.
    Ronald

  • Dienstag, 6. Juli 2010, Tag 5, Mandal - Flekkefjord


    Heute brauchte ich mich ausnahmsweise nicht um das Frühstück zu kümmern. Ein netter Nachbar mit Wohnwagen, der auch sehr gerne mit dem Fahrrad verreist, hat mich zu einem üppigen Frühstück eingeladen. Das war total klasse, zumal mir dieser nette Mensch am Vorabend noch ein Gläschen Roten hat zu kommen lassen.
    Da das dann etwas länger gedauert hat, war mein Aufbruch heute recht spät, aber es ist in Norwegen zu dieser Jahreszeit recht lange hell :P und deshalb eigentlich egal.
    Viel wichtiger war, dass auch heute sehr gutes Wetter war. Zunächst gab es eine kleine Besichtigungstour durch Mandal. Mandal ist übrigens die südlichste Stadt Norwegens.

    Dann ging es endlich los. Am Anfang kam nochmals ein kurzes Stück Schotter, danach aber nur noch kleine gut zu fahrende Straßen.
    Es ging immer am Wasser entlang und sah dann so aus:

    Mein nächstes Ziel sollte der südlichste Punkt Norwegens, nämlich Kap Lindesnes sein, obwohl das dann eine Sackgasse darstellt und ich ein gutes Stück wieder habe zurückfahren müssen. Trotz des teilweise heftigen Gegenwinds, habe ich das Kap schließlich erreicht. Um ganz an den Leuchturm ranzukommen muss man 50 NOK Eintritt bezahlen. Dafür kann man dann den Leuchturm, sowie einige Häuser, eine Ausstellung und einen tollen Film, ähnlich wie am Nordkap sehen.
    So sieht das am südlichsten Punkt Norwegens aus:

    Auf einem kreisförmigen Platz, hier hat im Krieg möglicherweise eine Kanone gestanden, gab es interessante Inschriften:

    Außerdem war noch dieser...

    ...Segler in Sicht, der gegen den Wind um das Kap herum in Richtung Norden aufkreuzte.
    Das bedeutete nicht nur für den Segler, sondern auch für mich, Gegenwind. Beim Segeln und Fahrradfahren kommt der Wind halt immer von vorne, zumindest fast immer. ;) :P :D .
    Im Gegensatz zum Segler durfte ich auch noch etliche Steigungen bewältigen. Es ging im Grunde genommen ständig auf und ab. Ebene Stücke sind dort so selten, wie Regen in der Sahara :D . Dafür gab es immer wieder sehr schöne Ausblicke.
    .
    Bei Liknes musste noch dieses Tal gequert werden,...

    ... ich durfte da auf der anderen Seite in gleicher Weise wieder rauf fahren wie es hier runter ging. Es kamen noch einige weitere Steigungen und für einen Tunnel an der E39 gibt es eine nette Umfahrung auf der alten Trasse. Wegen des späten Starts erreichte ich Flekkefjord recht spät. Das machte aber nix, da die Rezeption noch geöffnet hatte und ich duschen konnte.
    128km, Durchschnitt 16km/h, 2000Hm, alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, die gefahrene Strecke kann hier angesehen werden, Fortsetzung folgt.


    @Ronald: An die Bompenge habe ich natürlich überhaupt nicht gedacht :pinch: . Allerdings wäre ich auch als Radfahrer gerne bereit, für gescheite Wege einen entsprechenden Obulus zu entrichten. :sdafuer:

  • Mittwoch, 7. Juli 2010, Tag 6, Flekkefjord - Brusand


    Heute begann meine Tour bei bedecktem Himmel. Habe zunächst auch noch eine Extraschleife durch 2 längere Tunnels gefahren, da ich mich zu sehr auf mein Navi verlassen habe.
    Die Tour war heute extrem anspruchsvoll. Es ging ständig heftigst auf und ab. Auf 50km hatte ich bereits über 1000Hm gefahren, Wahnsinn. Dafür war aber auch die Landschaft ganz toll und die Straße schmal und sehr wenig befahren.

    Es waren auch immer wieder Fjordarme mit den angrenzenden Tälern zu queren, wie hier bei Åna-Sira.

    Wenig später habe ich dann den Jøssingfjord erreicht. Das war für mich der Höhepunkt es Tages. Die Straße verlief dort äußerst spektakulär und ich fragte mich wie es überhaupt in diesem unwegsamen Gelände möglich ist eine Straße anzulegen.

    Die Bewohner dieser Häuser...

    ...brauchen sich keine Sorgen, um ein undichtes Dach, zu machen :P .
    Nochmals ein Blick von oben:

    Schmale Straße:

    Für größere Fahrzeuge ist das nix. Das durfte auch ein Bus aus Greifswald erfahren. Die haben mich zunächst wegen meiner Gepäckmenge bedauert, mussten dann aber umkehren. Ich bin dagegen da durchgekommen.
    An dem Parkplatz, wo der Bus kehrt machte, steht neben einer Informationstafel über den Nordseeküstenweg, auch eine Tafel, welche über die Ereignisse im 2. Weltkrieg berichtet. Auch eine Gedenktafel, umrahmt von 2 Flaggenmasten, findet man dort.

    Nach diesem eindrucksvollen Naturerlebnis regnete es auf meiner weiteren Fahrt an diesem Tag in einem Stück und das teilweise recht heftig. An einem Rastplatz bin ich dann auf 2 Reiseradler, welche in der Gegenrichtung unterwegs waren, gestoßen. Nach ausgiebigem Austausch der Informationen über die jeweils zu erwartende Strecke, ging es dann weiter.
    Aufgrund des miesen Wetters, der immer weniger spektakulären Landschaft und vor allem wegen des WM Halbfinalspiels bin ich ab Egersund auf kürzestem Wege ohne Halt mit kürzester Fahrzeit zum CP Brusand gedüst. Dort angekommen kamen mir doch arge Zweifel, ob ich überhaupt noch in Norwegen war. Es sah dort mit Dünenlandschaft so aus wie auf Sylt oder Dänemark, aber keinesfalls wie Norwegen. Immerhin hat es wärend meines Zeltaufbaus aufgehört zu regnen. Nach der obligatorischen Dusche und dem Nachtessen habe ich mir dann das WM Halbfinale Deutschland gegen Spanien angeschaut. Deutschland hat da leider 1:0 verloren :( . Anschließend war ich das einzige Mal auf meiner ganzen Reise für 1 Stunde im Netz. Eingeschlafen bin ich dann mit Meeresrauschen. Das war in meinem Zelt hinter den Dünen deutlich zu hören.
    107km, Durchschnitt 18km/h, 1600HM, alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, die gefahrene Strecke kann hier angesehen werden, Fortsetzung folgt.

  • Die Straße verlief dort äußerst spektakulär


    Solche Straßen sind auch mit dem Pkw nichts mehr für mich, da bekomme ich arge Gleichgewichtsschwierigkeiten. Das ist der Grund warum wir auf unserer England-Reise zwei Leuchtfeuer nicht mitbekommen haben: Beachy Head und Start Point.


    Aber daran muss man sich eben halt gewöhnen - obwohl aich die Häuser bei Ana Sira wohl gerne gesehen hätte.


    Vielen Dank für den wieteren Bericht, wirklich interessant zu lesen und Hochachtung vor Deinen Kraxeleien per Rad!
    Gruß
    Ronald

  • Hallo Jürgen,

    hast mal wieder schöne Fotos geschossen. Ja, mit dem Fahrrad lässt es sich eben schneller mal anhalten und es beiseitestellen, als ein Womi. Freu mich schon auf die Fortsetzung.


    LG
    Gerhild

  • Donnerstag, 8. Juli 2010, Tag 7, Brusand - Preikestølen


    Da am Morgen alles noch vom Regen sehr nass war, fand mein üppiges Frühstück diesmal...

    ...in der Küche des CP statt.
    Dann ging es los und beim Anblick der folgenden Bilder kann man kaum glauben, in Norwegen zu sein.

    Es sah aus wie in Dänemark. Bei einem leichten Rückenwind war es für mich ein leichtes ordentlich Tempo zu machen. Nachdem ich eine Zeit lang im Windschatten eines Traktors gelutscht hatte, habe ich den dann letztendlich doch überholt. Der war einfach nicht schnell genug. Der Bauer hat beim Überholen schon recht komisch geschaut und ein wenig den Kopf geschüttelt. Bis nach Sandnes hatte ich eine 25er Schnitt und so hatte ich trotz einiger Steigungen, die Landschaft wurde wieder bergiger, schon bald...

    ...die Fähre von Lauvvik nach Oanes erreicht. Zum Glück habe ich mich nicht blind auf mein Navi verlassen :D :8): :P , sonst wäre ich...

    ...im Bach gelandet und hätte schwimmen dürfen, da die Fähre gerade auf der anderen Seite war :thumbup: .

    Auf der anderen Seite angekommen, gab es einen schönen Blick auf die gewaltige...

    ...Lysefjordbrücke und wenig später einen ersten schönen Blick...

    ...über den Lysefjord selbst. Im Bild die Touristenfähe von Lysebotn nach Forsand. Mit dieser Fähre wollte ich am nächsten Tag in umgekehrter Richtung fahren.
    Ich machte nun wieder etwas Tempo, wobei das zunächst etwas schwierig war, da es ziemlich bergauf ging und das auch noch durch einen langen Tunnel, da ich noch so einiges vor hatte.
    Ich steuerte den Preikestølen CP an, baute so schnell es ging das Zelt auf, verstaute meine Sachen im Zelt und richtete mir eine Tasche mit warmen Wechselklamotten und Proviant.
    Mit nur einer relativ leichten Tasche am Rad war es für mich ein leichtes die Straße Richtung Preikestølen so weit zu fahren, wie es irgendwie ging. Als der Waldweg dann unfahrbar wurde, habe ich mein Rad an einen Baum angeschlossen, die Radsandalen gegen Tevas getauscht, sowie aus der Fahrradtasche einen Rucksack gemacht. Dann ging es zu Fuß recht flotten Schrittes weiter, denn 1,5 Stunden nach dem Start am CP war ich bereits oben, auf dem Preikestølen.

    Zum Glück sind die Fotos, welche freundliche Leute da oben von mir gemacht haben, recht gut geworden ;) .

    So sieht das aus...

    ...wenn man sich auf den Bauch legt...

    ...und über die Kante nach unten schaut. Ganz schön tief :P .
    Ein Blick von oben in Richtung Fjordende,...

    ...sowie auf die andere Seite:

    Meine Füße über dem Abgrund:

    Zum Angeln braucht man da eine 600m lange Angelschnur :D :P :

    Nochmals ein paar Bilder von da oben. Für mich war das eine einmaliges Erlebnis. Den Mut, mich da auf die Kante zu setzen hatte ich leider nicht. Nur auf dem Bauch liegend habe ich über die Kante geschaut und auch photographiert.

    Wanderweg mit Überhang...

    ...und eine Spalte...

    ...mit Tiefblick.
    Teilweise ist der Wanderweg zum Preikestølen auch so...

    ...gesichert, teilweise sieht er...

    ...auch so aus und so sieht es...

    ...unterwegs aus. Zum Glück stand mein Fahrrad nach da...

    ...wo ich es abgestellt hatte. Damit war ich dann wieder sehr schnell an meinem Zelt auf dem CP. Es ging dann erst mal unter die Dusche und anschließend gab es Nachtessen. Danach habe ich noch etliche Urlaubskarten nach zu Hause verfasst.
    Als ich als letzte Tätigkeit des Tags die Karten in den Briefkasten vor dem CP geworfen habe, konnte ich noch diese Stimmung in Richtung Stavanger im Bild festhalten.

    Damit ist für mich ein sehr ereignisreicher Tag zu Ende gegangen, wobei ich am Morgen bei der Fahrt durch die flache Landschaft, nicht so recht glauben wollte, bereits am späten Nachmittag eine 600m senkrechte Wand hinabschauen, zu können.
    90km Rad, 8km zu Fuß, Durchschnitt: 21km/h, 1600Hm, alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, die gefahrene (und gelaufene) Strecke kann hier angesehen werden, Fortsetzung folgt.

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