auf den Spuren der Otto Sverdrup

  • Heute morgen war es nun so weit, Abschied nehmen von Reine und den Lofoten. Die haben es uns mit einem Traum-Sonnenaufgang so richtig schwer gemacht.
    Die Fähre Moskenes-Bodö war nicht sehr voll und es war eine ruhige Überfahrt, wie man hört, kann das beides auch ganz anders sein. Von Bodö aus sind wir dann gleich Richtung Fauske und dort auf die E6, den „Artic Highway“. Eine sehr abwechslungsreiche und tolle Strecke. Es war wenig Verkehr und wir konnten ruhig fahren, oft sogar 90 km/h. Es geht an Seen und Fjorden entlang, durch Wälder, Täler, Fjells und über den Polarkreis. Die größte Herausforderung ist es, nicht „an jeder Ecke“ anzuhalten und auszusteigen.
    Am Korgenfjell wollten wir die E6 kurz verlassen und über dem Tunnel die alte Passstraße über das Fjell nehmen, aber ich habe die Abzweigung verpasst und da waren wir auch schon im 8,5 km langen Tunnel. Schade, dann eben nächstes Mal.
    Nun sind wir in Mosjoen und machen hier Übernachtungspause, bevor es morgen nach Trondheim weitergehen soll.

  • Nach einem sehr guten Frühstück im „Fru Haugans Hotel“ in Mosjoen war das heute eine lange Fahrt auf der E6, 7 Stunden für die 380 km, ohne große Pausen. Das heißt, entspanntes Fahren bei maximal 90 km/h, meistens aber weniger, wenig Verkehr. Wieder ging es bei blauem Himmel durch tolle und vielseitige Landschaften, an Seen und Flüssen entlang (die noch wie Flüsse aussehen und nicht wie Kanäle), Wälder, Wiesen, Kornfelder, Wasserfälle, und wieder war die größte Herausforderung, nicht dauern anzuhalten oder kleine Abstecher zu machen. Aber nun sind wir in Trondheim, sind nochmal auf den Spuren unseres Spaziergangs beim Halt der Otto Sverdrup im letzten Jahr gegangen und haben noch einiges Neues entdeckt.

  • Von Trondheim sind wir gestern nach Kristiansund gefahren. Die Fahrt und die Landschaft waren, wie zuletzt auch, wieder toll und sehr abwechslungsreich. Kristiansund wird ja, wenn ich das richtig gesehen habe, nicht mehr von der Otto Sverdrup angefahren. Das ist schade, weil es ein sehr netter Ort auf ein paar Inseln verteilt ist, jedenfalls, wenn man den Küstenbereich nimmt. Die „City“ ist weniger attraktiv, viele leere Geschäfte, dafür daneben dann eine „Shopping-Mall“ mit den üblichen Geschäften. Nett ist die kleine Fähre, die von Insel zu Insel fährt und die man kostenlos benutzen kann. Leider fährt die nur bis 17:30 Uhr, wenn man das nicht einplant, kann das einen sehr, sehr langen Spaziergang bedeuten.
    In Kristiansund haben wir dann auch die Nordlys gesehen, die hier kurz angelegt hat.
    Heute Morgen ging es über die Atlantik-Straße, den Atlanterhavsveien, weiter nach Saebo. Auf unserer Fahrt mit der Otto Sverdrup vor einem Jahr wurde eine Busfahrt dorthin angeboten, aber das haben wir nicht mitgemacht, sondern sind auf dem fast leeren Schiff von Molde nach Kristiansund mitgefahren, was sehr schön war. Aber jetzt wollten wir das nachholen. Heute Morgen beim Aufstehen aber hat es sich schon abgezeichnet: dichter Nebel über Kristiansund, man konnte kaum 10 Meter sehen. Später lichtete sich der Nebel etwas, und wir hatten Hoffnung. Zuerst ging es durch einen spektakulären Tunnel unter dem Meer hindurch, mit 10% Gefälle geht es runter und nach über 5 km kommt man wieder ans Tageslicht. Bzw. in den Nebel, der sich hier am Meer und auf der Atlantikstraße keineswegs gelichtet hatte. Und so haben wir kaum etwas gesehen, wurden aber später umso mehr entschädigt.
    Die weitere Fahrt war nämlich das Beste, was wir bisher gesehen haben, und zwar schon bald in strahlendem Sonnenschein.
    Zurück auf der E39 ging es nach Molde und mit der Fähre rüber nach Vestness. Es ist eine Elektrofähre, still gleitet sie über’s Wasser, außer dem Plätschern keine Geräusche und kein Gestank. Die gleiche Fähre dann nochmal im weiteren Verlauf der E39 vor Alesund. Den eigentlich geplanten Abstecher dorthin zum Softeisessen haben wir uns gespart und sind stattdessen ab Festoya nicht weiter auf der E39 gefahren, sondern direkt am Hjörundfjord entlang und ab Store Standal auf der Passstraße ins Gebirge. Das war die bisher aufregendste und tollste Strecke. Es geht auf einer maximal einspurigen Straße direkt am Fjord entlang, links fällt der Hang steil ab und rechts geht es steil bergauf, sehr kurvig. Man fährt streng nach dem Prinzip: einer fährt, einer kann die unglaublich schöne Aussicht genießen, weil hinter jeder Kurve ein Fahrzeug entgegenkommen kann und dann wird es sehr eng. Wohl dem, der auch in Kurven gut rückwärts fahren kann bis zu einer Stelle, wo man ein bisschen rechts ranfahren kann. Und dann hoch über diverse Haarnadelkurven (auch alle sehr schmal, ohne Ausweichmöglichkeit) über die Berge und wieder runter, bis man endlich die Landesstraße 655 nach Saebo erreicht, die dann mit ihren zwei Spuren wie eine Autobahn vorkommt.
    Nun sind wir nach fast auf den Tag genau einem Jahr wieder in Saebo, begeistern uns an der Kulisse hier und machen schon Pläne, wie wir irgendwann noch einmal mit etwas mehr Zeit hierher kommen können, denn morgen geht es schon wieder weiter Richtung Sognefjord.

  • Der Abschied aus Saebo fiel uns schwer, zumal wir seit ein paar Tagen durchgehend tolles Wetter haben: fast immer blauer Himmel bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad.
    Es ging dann weiter nach Balestrand am Sogne-Fjord als Zwischenstopp auf dem Weg nach Bergen. Und was soll ich sagen, so langsam gehen mir die Adjektive aus. Die Strecke ist unglaublich, vor allem der Weg über’s Gaularfjell. Wasserfälle, Serpentinen, Aussichtspunkte wie der Utsikten, wie gesagt, da fehlen die Adjektive. Für die 270 km haben wir sechs Stunden gebraucht, und es hätten gern auch viel mehr werden können. Was machen wir nur mit all den neuen Reisezielen, die auf den Wegen hinzugekommen sind?
    In Balestrand waren wir im Midness-Hotel. Wie man liest, war Balestrand ein Lieblings-Urlaubsort von Kaiser Wilhelm II. Obwohl das nicht die Tradition ist, in der wir uns sehen möchten: im Hotel hatte man schon ab und zu den Eindruck, gleich kommt der Kaiser um die Ecke (siehe Fotos).
    Nun denn, Balestrand ist ein netter Ort mit dem Charme eines alten Kurortes und die heutige Weiterfahrt am Sognefjord, Fährüberfahrt mit Elektrofähre ab Larvik und Weiterfahrt nach Bergen waren nett. Vor zwei Wochen hätte ich jetzt geschwärmt von der herrlichen Landschaft, dem Fjord, den Brücken und Tunnels, aber man gewöhnt sich an vieles und auf unserer Fahrt haben wir fast jeden Tag neue Höhepunkte erlebt.
    Jetzt sind wir noch einmal durch Bergen geschlendert und haben ein paar bekannte Plätze aufgesucht mit dem Gefühl, fast schon wieder zuhause zu sein. Morgen geht es auf die Fähre nach Hirtshals. Mit 90 Minuten Verspätung, wie uns kürzlich mitgeteilt wurde. So endet die Reise wie sie in Helsinki begann: mit einer Verspätung.

  • Am Schluss dieser tollen Reise steht nun eine Fährüberfahrt von Bergen nach Hirtshals an. Auf der Fähre soll der WiFi-Zugang pro Gerät 28 Euro kosten, das finde ich etwas unverschämt und lasse es. Außerdem kommen dann noch langweilige 600 km Autobahn von Hirtshals bis Bremen. Da wird wenig Berichtenswertes passieren und deshalb schließe ich hier, nach dem Frühstück in Bergen, den Livebericht.
    Ein bisschen Fazit:
    Autofahren, besonders auf den Lofoten, aber auch immer wieder auf dem Festland: Man muss sehr aufmerksam fahren. Die Straßen sind schmal, oft reicht es nicht für zwei Autos, enge unübersichtliche Kurven, Busse und LKWs, Menschen auf Fahrrädern oder zu Fuß, oder manche WoMo-Fahrer, die zuhause offensichtlich nur Kleinwagen fahren. Also: einer fährt, einer guckt. Wenn man selber fährt, bleibt nicht viel Gelegenheit, die Landschaft anzusehen, also haben wir häufig gewechselt.
    Anreise mit Fähre und Autozug: anstrengend, aber lohnend. Und wenn man sich darauf eingestellt hätte, wäre man in Rovaniemi entspannter angekommen, ohne viel gefahren zu sein. Noch ein Tipp: wenn man in Helsinki-Vuosaari mit der Fähre ankommt, gleich zum Autoterminal in Pasila fahren. Dann kann man das Auto schon mal parken und den Tag entspannt in Helsinki verbringen. Das Autoterminal ist nicht so leicht zu finden, auch das Navi schickt einen manchmal in die Irre (wir haben kurz vor Verladung verzweifelte Autofahrer hinter dem Zaun gesehen, die nicht wussten, wie sie zur Station kommen. Google-Maps zeigt einen Weg, der zwar benzinsparend ist, die letzten Meter aber nur ohne Auto über einen Fußweg verläuft). Man kann das Auto am Verladeterminal problem- und kostenlos abstellen und mit dem Zug für wenig Geld in ebenso wenigen Minuten nach Helsinki-Hbf rein- und später auch wieder zurückfahren. Züge fahren praktisch andauernd. Hilfreich in Helsinki ist der Google-Übersetzer, dann erfährt man, dass „Rautatieasema“ Hauptbahnhof und „autojuna-asema“ Autoverladeterminal heißt und findet es auch.
    Was war jetzt schöner, die Reise mit der Otto Sverdrup oder mit dem Auto? Erholsamer ist die Hurtigruten-Expeditionsreise. Man muss nur darauf achten, bei Landgängen rechtzeitig wieder auf dem Schiff zu sein und die Essenzeiten nicht zu verpassen, sonst hat man keine Sorgen. Mehr von Land und Leuten sieht und erlebt man auf dem Landweg, es ist aber auch viel Fahrerei, trotz der kilometerarmen Anreise.
    Auf alle Fälle hat sich die Reise gelohnt. Obwohl wir schon mehrmals in Norwegen waren, haben wir viel Neues gesehen, sind noch ganz voll von den Eindrücken und müssen das alles jetzt erstmal sacken lassen. Zusammen mit der Otto-Sverdrup-Reise hat sich ein umfassendes Bild von Norwegen ergeben, das wir vielleicht im nächsten Jahr auf die eine oder andere Weise vervollständigen wollen.

  • @Heinz ich bedanke mich für diesen tollen Bericht, hat er mir doch Einblicke in das Innenland gegeben, habe es ja bisher immer nur von der Wasserseite erlebt. Ich wünsche euch eine gute Heimreise und ein sanftes Ankommen im Alltag.

    Grüße aus dem Rheinland


    Berichte sind in meinem Profil



  • Lieber Heinz,
    so manchen Eurer Orte haben wir einige Wochen vor Euch ebenfalls besucht, teilweise mit ganz anderen Eindrücken, wie hier zu lesen und zu sehen ist.
    Für Deinen Bericht sage ich herzlich :sdanke: , besonders auch für die wunderbaren Fotos :woot:

  • @Heinz
    Danke für den spannenden und informativen Bericht aber vor allem für die zauberhaften Fotos.
    Wir sind früher mit dem Wohnwagen durch Teile von Norwegen gereist- immer als Abstecher von Schweden aus: Wie habe ich da manchmal geschwitzt bei den schmalen Straßen und Anhalten war ganz selten möglich.
    Genießt die schöne Fahrt mit der Bergensfjord nach Hirtshals und kommt gut zu Hause an.


    Liebe Grüße von Trollebo :)

  • Ein letzter Nachtrag: In Bergen gab es noch eine Begegnung mit der Polarlys, daneben stand die Queen Mary 2, ich finde den Anblick solcher Riesenkisten immer etwas bedrückend.
    Die Fährfahrt nach Hirtshals war relativ ruhig und das Dinner-Buffet ausgesprochen gut, sogar noch besser als das auf der finnlines-Fähre nach Helsinki (und das war schon sehr gut).
    Nun sind wir wieder zuhause und träumen vorn Norwegen...

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