Die Flugwerft in Oberschleißheim

  • Tagesausflug zur Flugwerft Schleißheim



    Seit einigen Tagen habe ich netten Familien-Besuch. Gestern wollten wir einen kleinen Tagesausflug machen und hatten schon die Tage zuvor überlegt, wohin es wohl gehen könnte.


    Vor etwa 25 Jahren war ich mit meinem Sohn in der damals noch recht neuen Zweigstelle des Deutschen Museums, der Flugwerft Schleißheim.




    Inzwischen hat sich das Deutsche Museum noch mehr erweitert. Neben dem eigentlichen Deutschen Museum auf der Museumsinsel in München (mit dem Forum der Zukunft) gibt es dort auch das Verkehrszentrum am Bavariapark, die Flugwerft, sowie jeweils ein Deutsches Museum in Bonn und in Nürnberg.


    Als langjähriges Mitglied des Deutschen Museums kann ich eine erwachsene Person kostenlos mit ins Museum nehmen, daher bot sich für uns drei der Besuch der Flugwerft an.




    Die Eingangshalle, in der damals nur einige wenige Flugzeuge standen, ist inzwischen gut gefüllt. Mittendrin eine Antonov AN-2, der größte, heute noch im Einsatz befindliche, einmotorige Doppeldecker der Welt.
    Viele andere historische und besondere Flugzeuge stehen hier dicht an dicht.




    Von der Eingangshalle für ein Weg durch eine Ausstellung von Flugmotoren und Fluggeräten der ersten Stunde. Hier alle Motorenvarianten zu sehen, Reihenmotoren, V-Motoren, Boxermotoren und natürlich Stern- und Doppelsternmotoren.




    Hieran angeschlossen befinden sich viele Vitrinen mit Flugzeugmodellen und ganzen Dioramen. Am Ende gelangt man über eine Treppe in die Reparatur- und Instandsetzungshalle. Hier wird gerade ein Nachbau eines historischen Flugzeuges fertiggestellt, der später dann auch richtig fliegen soll.




    In der darauf folgenden großen Halle sieht man im vorderen Teil eine Douglas DC-3 (in der Militärausführung auch als Douglas Dakota bekannt). Dieses Flugzeug, von dem noch einige Maschinen bis heute sich im Einsatzbefinden, erhielt auch den Spitznamen „Rosinenbomber“ durch seinen Einsatz während der Berliner Luftbrücke.
    Darunter ist der spanische Lizenzbau einer Heinkel HE-111 erkennbar, der dort die Bezeichnung CASA 2.111B hat.




    Im hinteren Teil der Halle befinden sich viele ehemals von der Luftwaffe eingesetzte Flugzeuge, darunter ein Starfighter, Canadair Sabre, Lockeed T-33, sowie McDonell F-4 Phantom und Tornado. Auch ein großess SAR-Dornier DO24-Flugboot ist hier ausgestellt.




    Gleich davor befindet sich ein Exemplar des Forschungsflugzeuges VFW-614 ATTAS, durch das man auch durchgehen kann. Dahinter einige Triebwerks-Exponate.
    Im Bereich der großen Fenster sind diverse Hubschrauber zu sehen, eine Sikorsky H-34, eine Alouette II, eine Bell UH-1D sowie eine MBB BO 105 als Rettungshubschrauber.




    Ein sehr interessanter Bereich der Halle, ist der in dem man einige deutsche Senkrechtstarter-Prototypen aufgestellt hat. Hier findet sich die Dornier DO-31, das weltweit einzige Strahltriebwerk-Transportflugzeug, das senkrecht starten und landen kann. Nur zwei Prototypen wurden davon gebaut, ebenso wie von dem EWR VJ 101 C-C2, der ursprünglich als Ersatz für den Starfighter geplant war.




    Erinnerungen (freudige wie schmerzhafte :fie: ) flammen auf, als ich den dritten dort ausgestellten Senkrechtstarter sehen. Von der VFW-Fokker VAK 191 B wurden nur drei Prototypen gebaut. Einer steht auf dem Gelände von Airbus (Nachfolger von VFW-Fokker) in Bremen, einer hier in der Flugwerft Schleißheim und der dritte in der Wehrtechnischen Studiensammlung der Bundeswehr in Koblenz.
    Und genau daran, dass dieses Exemplar heute dort in Koblenz steht, war ich selbst während meiner Bundeswehrzeit auf dem Flugplatz Mendig beteiligt (auf dem Bild der in der Mitte :pleasantry: ).




    Kurz nach meiner Grundausbildung (Ende 1981) wurde der Senkrechtstarter zum Weitertransport nach Koblenz zuerst bei uns in Mendig auf dem Flughafen abgestellt. Als junger OG UA hatte ich mich freiwillig gemeldet, den Senkrechtstarter als Außenlast an einen unserer Transporthubschrauber CH 53 zu bringen.


    Während ein Unteroffizierskollege am hinteren Ende des Fliegers mit einer Leine wartete, um den Flieger gerade zu halten, wenn die CH53 anzog, wartete ich mit einem weiteren Uffz auf dem Flieger, um das Lastgeschirr einhängen zu können.
    Dazu schwebte die CH53 mit dem Außenlasthaken auf uns zu. Leider vergaß der Bordwart damals die Erdungskette ab zu lassen (oder absichtlich :hmm: :mosking: ). Durch den drehenden Rotor laden sich Hubschrauber statisch auf, zumal wenn es große Hubschrauber sind, und diese statische Elektrizität muss vor Berührung „entsorgt“ werden.


    Dies geschah in diesem Fall, indem ich mit meiner Hand mich dem Haken näherte (dieser ist immer vom vorherigen Lastausklinken offen). Eine gut 20 bis 25 cm lange Entladung fuhr mir in die Hand, durch mich und das Flugzeug durch und entlud sich durch den Uffz, der sich hinten am Flieger festhielt, in die Erde. :wacko1:
    Erst jetzt konnte der Uffz neben mir das Lastgeschirr in den Haken einschnappen (ähnlich einem Karabinerhaken), und wir danach den Flieger verlassen.




    Der Hubschrauber brachte dann den Senkrechtstarter zum Wehrtechnischen Museum (wie es damals noch hieß) nach Koblenz und ich bekam, wie es nach solchen Missgeschicken üblich war, vom Bordwart einen Kasten Bier als „Schmerzensgeld“. :good3:
    Heute ist es nur noch eine Erinnerung an eine recht interessante Zeit, die ich in den acht Jahren bei den Heeresfliegern verbracht habe.




    Vor der großen Halle steht noch eine Transall, die lange Jahre als Transportflugzeug bei der Luftwaffe tätig war. Das hier ausgestellte Exemplar gehörte zum Lufttransport-Geschwader 61, das in Landsberg stationiert war.
    In dem schmalen Ausstellungstrakt zwischen den Hallen ist auch ein Motorrad von Hildebrand & Wolfmüller ausgestellt. Es war 1894 das erste serienmäßig produzierte Motorrad der Welt.


    Durch die Eingangshalle verlassen wir anschließend das Museum wieder und schauen noch kurz in den Museumsshop, bevor wir die Heimfahrt antreten. Ein interessanter Tag in einem an diesem Montag nur wenig besuchten Museum ist zu Ende.

    Gruß Jobo,


    Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
    - Alexander von Humboldt -


    (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)


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  • Na, dann ist ja gut, dass sie zumindest warteten, bis ihr vom Flieger runter seid :D

    Meine Fahrten: FINNMARKEN - NORDLYS - NORDNORGE - KONG HARALD - VESTERÅLEN - LOFOTEN (5X) - FRAM

    Reiseberichte siehe Profil !


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