Schwiegermutters letzte Reise? Mit Havila unterwegs (23.01.-03.02.2023)

  • Das kommt anscheinend immer auf das jeweilige Personal an.

    Bei unserer Reise auf der CASTOR ist das auch Mitreisenden passiert, dass sie bei Verspätung nicht mehr ins Restaurant kamen.

    Andere durften mal nach Ermahnung noch rein.

    Das Schiff war ja auch nur gering ausgelastet.


    Gruß seealpe

  • Weiter geht es. Sozusagen atemlos durch die Nacht. Wir kommen pünktlich in Tromsø an. Es ist klare Nacht, schön kalt und erstaunlich hell. Die Pünktlichkeit und das Wetter machen mir die Entscheidung leicht, mit Stativ, Kamera und etwas zu trinken aufzubrechen. Es gibt nur ein Ziel – die Eismeerkathedrale. Natürlich gehe ich schnellen Schrittes, um die Zeit so gut wie möglich nutzen zu könnten. Angekommen packe ich das Stativ aus, richte mich und die Kamera aus und dann beginnt die Session. Im Prinzip umrunde ich dabei einmal die Kirche und versuche dabei, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Wie sich weist, habe nicht nur ich die Idee, auch andere Passagiere sind zu einem Fotostelldichein erschienen.

    Ist das eigentlich schon eine Dreiecksbeziehung?


    Mit Brücke und Stadt im Hintergrund.

    Fast vergesse ich die Zeit und bekomme einen gehörigen Schrecken, als mir nur noch eine halbe Stunde bis zur Schiffsabfahrt bleibt. Und dazwischen viele Kilometer. Also nehme ich die Beine, den Rucksack und das Stativ in die Hand und eile über die Brücke zurück hin zum Schiff. Der Letzte bin ich nicht, die Crew grüßt und ich verschwinde ins Bett. Am Morgen des Tages, der mir auf der südgehenden Tour eigentlich am besten gefällt, weil so viele verschiedene Orte und Landschaften zu sehen sind. Das Frühstück ist ein bisschen später als gewohnt, weil ich viel Schönheitsschlaf benötige. Draußen – Schneetreiben, Kälte und Winter. Ein Tag zum Genießen. Und das tun wir natürlich auch, einerseits draußen beim Fotografieren, andererseits in der Cafeteria. Wir dümpeln durch die Gegend und sehen fast nichts, nur ab und zu bricht sich die Sonne Bahn und gibt den Blick frei auf die uns umgebende Landschaft. In Risøyhamn ist nur ein kurzer Aufenthalt, es wird verladen und entladen, bevor es durch die Risøyrenna weitergeht.

    Ein neuer Passagier, allerdings vom Charakter leicht frostig.


    Treppenhausspielereien.




    Und ein paar Impressionen.

    Wir liegen gut in der Zeit, was doch überrascht. Vor Sortland guckt man mal auf die Brücke, wo auch der Bus ist, aber die Reiseleiterin macht nicht so ein großes Programm daraus, wie es sonst der Fall war. Ach, die liebe Hild ist öfter mal Gegenstand von meinen spitzen Bemerkungen, unter anderem nenne ich sie immer liebevoll unsere Großmeisterin der guten Laune. Auch in Sortland ist der Aufenthalt genau nach Fahrplan, was mich schon begeistert, weil dann mal in Stokmarknes ausreichend Zeit sein könnte.

    Und weiter geht es mit dem Brokkolireigen.


    Unterwegs.


    Eingedeckt ist auch schon

    Und tatsächlich – das Mittagessen verzehrend sehe ich, dass wir Stokmarknes sogar zu früh erreichen werden. Nicht viel, aber doch befreiend. Im Hurtigrutenmuseum werde ich darauf hingewiesen, dass es zwei Shops gebe, nicht nur den kleinen unten im Erdgeschoss, sondern auch noch einen in der 4. Etage. Das wusste ich wirklich nicht und bin dankbar für diesen Tipp. Tatsächlich ist das Angebot dort wesentlich bunter und umfangreicher. Es gibt Magneten, T-Shirts, Bücher, alles, was das Herz begehrt.

    Berliner würde es auch geben. Mit oder ohne Füllung.

    Also kaufe ich dies und das für jenen und diesen und begebe mich danach nicht in die Stadt, sondern laufe über die Brücke auf die Insel gegenüber von Stokmarknes.

    Blick auf das entstehende Hotel und das Hurtigrutenmuseum. Und nochmals das Hotel.

    Es gibt viele Fotomotive – mit Schiff, ohne Schiff, mit Museum und ohne Museum. Die paar zusätzlichen Minuten machen schon etwas aus und so schlendere ich zurück zum Schiff.

    Im Hafen von Stokmarknes. Gegenüber auf der Insel war ich gerade.

    Dabei werde ich von Angelika gesehen, die mich auch fotografiert, wie ich fotografiere. Nun geht die vergnügliche Fahrt weiter und es gibt eine Vorführung über Trockenfisch und wie man ihn möglichst ordentlich mit dem Hammer traktiert. Angesichts der Verhältnisse an Deck ist das Interesse eher verhalten, wir fahren unterdessen in den Raftsund, von dem allerdings nur noch schemenhaft etwas erkennbar ist.

    Der Fisch hat jetzt Kopfschmerzen.

    Hohe Berge und Wasser. Den Trollfjord lassen wir aus. Und bald ruft dann das Abendessen, wobei ich ein bisschen von meinem Geld (man drängt!) auszugeben und bestelle mir den Käseteller als Nachspeise, der aber nicht so viel halten konnte, wie er versprach. Also ein Eichhörnchen hätte Freude daran gehabt, ein Käseliebhaber nicht so sehr.

    Kräckerteller, kann Spuren von Käse enthalten.

    Aber auf Nachspeise folgt Nachspeise, und zwar am Himmel. Nordlicht! Und was für eines. Das ist sogar mit dem bloßen Auge erkennbar und tanzt herrlich am Himmel. Kurz bevor wir Svolvær erreichen, verblasst das Nordlicht.

    Das Nordlicht tanzt.

    Doch der Abend ist noch lang. Und so gehen wir an Land und schauen ein bisschen in der Stadt umher. Ich bin ohne Stativ unterwegs und nur mit kleiner Kamera. An der Kirche schauen wir uns um und ich schaue an den Himmel. Da sind doch schon wieder Flecken am Himmel? Rasch verabschiede ich mich von der Gruppe und gehe zum Schiff zurück. Mitsamt Stativ und großer Kamera stelle ich mich an das oberste Deck vor dem Panoramasalon, in dem kaum jemand sitzt. Und endlich gelingen einmal Bilder von Nordlicht und Stadt, ohne dass die Schiffsbewegungen das Fotografieren verunmöglichen oder das Ergebnis zumindest markant beeinträchtigen.

    Und auch über Svolvær.

    Auch nach der Abfahrt begleitet uns das Nordlicht noch geraume Zeit, noch während der Liegezeit in Stamsund sind grüne Explosionen sichtbar. Danach wird es ruhiger – auf dem Schiff und am Himmel. Nach einem netten Plausch im Salon steige ich hinab in meine Kajüte und ein ereignisreicher Tag neigt sich seinem Ende, während wir in Regen und Schnee Bodø entgegenfahren.

    Was der eine Tag zu viel hat, hat der nächste Tag zu wenig. Denn so wahnsinnig spannend sind die Aussichten nicht, die sich uns da bieten. Da sind zum einen der Polarkreis südwärts, der aber eher lau daherkommt.

    Polarkreis, irgendwie nicht besonders erhebend.

    Anstelle eines schmucken Löffels gibt es hier bei Havila einen Vitaminshot und warme Worte, denn etwas Warmes braucht der Mensch auch angesichts der Temperaturen.

    Beim Mondenschein ein paar Vitamine.

    Die Chefanimateurin erinnert uns kurz vor knapp auch daran, dass nun bald die Havila Castor entgegenkommen wird, ich helfe mir dank WLAN mit dem Schiffsradar und sehe, dass das noch einige Zeit hin ist. Doch das Treffen bei Tageslicht ist dann doch sehr schön, mitten in den recht ruhigen Gewässern.

    Hallo, Schwester!

    Still beneide ich diejenigen, die jetzt in den Norden fahren dürfen, aber auch unsere, sich langsam dem Ende nähernde Reise, ist jeden Kilometer ein Erlebnis. Zum Frühstück gönne ich mir einen Nessjalappen, der anders als gedacht kein überbackenes Wischtuch ist, sondern eine äußerst bekömmliche norwegische Interpretation des Croque Monsieur. Beim Frühstück verabrede ich mich mit Ulrike, Angelika und Stephan für ein Vormittagsspielchen, weil nachmittags der Aufenthalt in Brønnøysund direkt in unseren eng getakteten Zeitplan fällt. Und da vormittags jetzt nicht so viele Sehenswürdigkeiten locken, spielen wir eben. Das Wetter zeigt sich von seiner goldenen Seite, die Sonne hat am ersten Tag des Februar schon Kraft und vermag es, die Berge und die Küste zum Glänzen zu bringen.

    Glanz. Ohne Gloria.

    So sehr, dass beim Mittag schon die Jalousien heruntergelassen werden müssen, will man nicht einen ordentlichen Sonnenstich bekommen. Sandnessjøen bringt den Abschied von unserer Havly-Stammbedienung mit sich, die zwar immer etwas unterkühlt wirkte, aber doch sehr freundlich und nett war. Sie verabschiedet sich sehr herzlich und wir spielen weiter. In Brønnøysund lockt erst einmal ein Eis mit bunten Streuseln. Habe ich mir auch verdient.

    Eiszeit.

    Danach folge ich Jürgens Spuren und mache mich auf zur Kirche. Die ist noch erleuchtet und ein dankbares Fotomotiv. Allerdings alt. Wie komme ich dazu, alte Kirchen zu fotografieren, Martin, also nein.

    Könnte auch Tatort in einem Krimi sein, bei dem Wetter...

    Von der Kirche zurückkehrend besuche ich die Buchläden der Stadt und finde dort bekannte Gesichter vom Schiffe. Eine Ehrenrunde durch den Supermarkt führt mich schließlich in den Hafen zurück, wo ich das Schiff einmal aus verschiedenen Perspektiven aufnehme, und bald ist der Aufenthalt dann auch schon vorbei.

    Unser Schiff (links, wie man angesichts des neuen Registraturgebäudes fast dazuschreiben muss)

    Das neue Gebäude des Brønnøysundregisters schmückt den Hafen doch ungemein und lohnt sicher auch noch einmal eine kleine Fotoexkursion.


    Wenn ich schon nicht im Hildring dinnieren darf, dann möchte ich es doch zumindest aufnehmen. Dank freundlichem Personal gar kein Problem.

    Nach dem Abendessen widmen wir uns wieder dem Abend im Salon bei gepflegten Gesprächen und einem ebensolchen Bier. Abends steht noch Rørvik auf dem Plan, welches wir auch pünktlich erreichen. Hier mache mich in einem Kurzmarathon auf und fotografiere die Kirche aus verschiedenen Perspektiven.

    Hafenszene in Rørvik.


    Die Kirche in Rørvik.

    Das missfällt einem ortsansässigen Vierbeiner, der deutlich auf sich aufmerksam macht und von seinem Frauchen bald darauf ins Haus geschickt wird. Bald schon muss ich zurück auf das Schiff, der Abend endet so langsam, und damit auch dieser Beitrag.

    Martin

  • Ein kleines Stillleben (ein paar Tage zuvor schon aufgenommen

    An den Pötten für die Königskrabben kann man ohne Foto eben nicht vorbeigehen :o-smile


    Ich finde es interessant, wie unterschiedlich bei euch teilweise das Wetter war im Vergleich zu unserer Reise, speziell auch im Hinblick auf Nordlicht, es hängt eben viel an der Bewölkung.

    Die Treppenhausspielerei ist übrigens erste Sahne :o-thumbup

    Viele Grüsse, Albatross
    Reiseberichte im Profil

  • Vielen Dank Murmansk für Deinen wiederum äusserst lesenswerten neuen Berichtsteil über Deine Reise. Wenn ich ehrlich sein soll - ich habe schon mit Sehnsucht auf die Fortsetzung gewartet. Einfach köstlich Dein Humor. Und die Photos - Top !

    Als wären wir auf Deiner Reise mit dabei gewesen. Und unsere Vorfreude auf unser nächstes Hurtigruten-Abenteuer (allerdings erst im März 2025) wächst mit jeder Zeile Deines Berichts.

  • ... und der letzte Teil für Euch!


    Der vorletzte Tag – Mariä Lichtmeß - bricht an. Wir sind in Trondheim, pünktlich. Bevor wir frühstücken gehen, habe ich noch einen Morgenspaziergang geplant, eigentlich in die Innenstadt, aber angesichts des Wetters entscheide ich mich dann doch für die Variante „Mal schauen, wie weit man kommt.“ Es schneit dicke Flocken, man erkennt die Hand vor Augen nicht und nach kurzer Zeit schon sehe ich aus wie ein Inuk, der mit Kamera zur Robbenjagd geht. Dennoch läuft es sich ganz gut, weil der frische Schnee nicht glatt ist und man so auch flotten Schrittes vorankommt. Der erste Wegpunkt ist der Bahnhof. Natürlich. Auch dort schneit es stark, sodass die Reisenden Zuflucht unter dem Dach, in der Bahnhofshalle oder in Wartekojen auf dem Bahnsteig suchen. Mich hingegen interessiert vor allem der Zug aus Bodø, der auch nahezu pünktlich unter infernalischer Lärmentwicklung in den Bahnhof einfährt. Das Aussteigen dauert seine Zeit, die Garnitur bleibt am Bahnsteig, die Lokomotive verschwindet und kommt erst weit nach der Abfahrtzeit des Zuges nach Bodø zurück, sodass der Tagzug mit einer halben Stunde Verspätung abfährt. Danach marschiere ich zufrieden zum Schiff zurück.

    Architektur in Trondheim (auch da war ein paar Tage vorher schon jemand da)

    Auf eben jenem hat das große Räumen schon begonnen, steht nach unserer Fahrt doch erst einmal ein Werftaufenthalt an. An der Gangway begrüßt mich der Rezeptionist mit „Hello, snowman!“ und tatsächlich sehe ich aus, als wäre ich längs durch den Schnee vom Bahnhof zum Schiff gerollt. Wir treffen uns zum Frühstück – nach erfolgtem Kleidungswechsel. Wir legen ab und haben nun die letzte Etappe nach Bergen vor uns, ich fahre hier immer nur aus Anstand mit, damit ich sagen kann: Ja, es war einmal die ganze Hurtigrute. Als wir Munkholmen passieren, kommt der obligatorische Gong und wir alle erwarten das Wort zum Morgen von unserer lieben Hild. Doch wenn sie nicht Steroide und Anabolika eingenommen hat haben wir einen neuen Reiseleiter. Eine sonore Stimme, im Norwegischen wie im Deutschen deutlich vernehmbar. Meiner Meinung nach deutscher Muttersprachler (sollte man als Deutschlektor hören) mit norddeutschen Tendenzen. Wir sind verzückt. Einerseits wegen der Tatsache, dass Hild von Bord gegangen ist, andererseits auch wegen der qualitativ hochwertigen Ansagen. Ulrike und ich gehen nach dem Frühstück sofort schauen. Und tatsächlich. Da sitzt ein Mann, nicht mehr der Jüngste, der sich als Harald vorstellt und meint, mich zu kennen. Auch ich bin der Meinung, ihn schon einmal erlebt zu haben. Aber wo? Als Reiseleiter bisher nicht. Merkwürdig. Wir loben ihn für seine Ansagen. Sonst fließt und plätschert der Tag so vor sich hin. Ich habe immer noch Bordguthaben in nicht unbeträchtlicher Höhe. Dabei hatte ich auch heute einen Nessjalappen. Und eigentlich rechnete ich ja damit, dass es noch satte Rabatte im Bordshop gibt. Also kostenloses Bordguthaben sollte man nur mit Rabatten kombinieren. Und tatsächlich, gegen Mittag kommt eine Durchsage, dass viele Produkte im Bordshop um 40 Prozent reduziert seien. Da kommt doch Einkaufslaune auf. Gut, dass ich mir vorher schon gemerkt habe, was ich im Falle des Falles kaufen möchte. Magnete gibt es nicht, aber immerhin Bücher. Auch einen Emaillebecher gibt es, aber der ist nicht reduziert. Außerdem habe ich ihn schon, und zwar für weniger Geld als er im Bordshop erhältlich ist. Wie das geht? Neulich vor Svolvær passierten wir den Trollfjord und traditionell gibt es den Trolltrunk. Der kostet alkoholfrei 99 NOK, inklusive Becher. Der Becher allein kostet 129 NOK. Finde den Fehler. Martin trinkt also einen alkoholfreien Trolltrunk, löscht den Durst und spart noch dabei. Draußen gibt es großes Sonnentheater, wir genießen schöne Sonnenstunden und fast könnte man hier schon an Frühlingsgefühle denken.

    unbekannt gebliebener Leuchtturm (Tyrhaug Fyr)


    Kann man sich einen besseren Reiseabschluss vorstellen?

    Harald plagen wohl Hungergefühle, denn er lädt für den Nachmittag zu Verkostung von Bacalao ein. Der freudige Anlass ist, dass wir des Abends Kristiansund anlaufen, die Hauptstadt des Klippfisk. Somit wird das Spielen mitsamt Havilabolle durch einen Imbiss beendet. An Deck ist das Interesse verhalten, das Schiff ist aber gefühlt auch fast leer. Hinter vorgehaltener Hand wird uns bestätigt, was wir immer gewusst haben – die Anlässe und Verkostungen an Deck sollen vor allem den Getränkeverkauf ankurbeln. Angesichts des doch recht salzigen Bacalao sicher auch nicht verkehrtv, aber ich habe noch Limonade im Kühlschrank. Sorry, Havila.

    Ein UFO - unbekanntes Fährobjekt irgendwo vor Kristiansund

    In Kristiansund habe ich einen Plan. Ich eile zu einem Supermarkt in der Innenstadt, in dem es laut Werbezettel Schokolade im Angebot geben soll. Dem ist auch so und für mich und eine liebe Freundin gibt es Nachschub.

    Auch so ein typischer Imbiss hätte mal seinen Reiz. Aber wir werden an Bord ja bestens versorgt.

    Im Hafen beobachte ich die Fähre, die alle vier Ufer anfährt, das war mir bisher immer entgangen. Leider wird eine Mitfahrt zeitlich nichts. An Bord der Capella zurück mache ich meine Einkäufe im Bordshop und werde doch nicht alles Geld los. Das letzte Abendmahlessen steht an und wir lassen es uns schmecken, etwas mehr Auswahl hätte es dann zuletzt doch sein können, aber qualitativ gibt es nichts zu meckern. Da nachts ja Rechnungsschluss ist und ich noch Geld habe, frage ich den Oberkellner, ob ich für morgens einen Nessjalappen vorbestellen könne. Der ist verwundert, versteht mein Ansinnen aber doch sehr schnell. Geht fragen und kommt mit der Antwort wieder, das alles seinen Gang geht. Den weiteren Abend verbringen wir im Havblik beim Stammkellner, einen Cocktail namens Fjellbekk gibt es für mich – das Geld muss ja weg. Vor Molde gibt es eine Schiffsbegegnung, die wir uns nicht entgehen lassen. Stumm. Das war enttäuschend. Die letzte Nacht bricht an.

    Schiffsbegegnung - beide Schiffe blieben stumm.


    So sieht der Salon aus, nachdem wir zusammen mit dem Barkeeper Feierabend machen.


    Die Egbert-Pijfers-Stadt Molde grüßt.

    Der 3. Februar. Ankunftstag in Bergen. Morgens wird flugs das Gepäck zusammengesucht, zusammengepackt, verstaut und zum Aufzug verbracht. Nur die Kamera behalte ich bei mir, denn die brauche ich noch, wie sich gleich weisen wird. Morgens in Florø gibt es wieder Lichtspieltheater.

    Der Mond grüßt auch hier noch einmal.


    Hei Florø!



    Morgendliches Hafentreiben.

    Danach nehmen wir den letzten Abschnitt unter den Kiel. Es gibt Frühstück, bei dem ich mir noch einmal alles schmecken lasse, was ich mich mir schmecken lassen kann. Draußen ist das Wetter recht ungehalten, es ändert sich immer mal wieder und an meiner Kabinentür finde ich einen Zettel, dass ich immer noch Guthaben habe. Ja gut. Ich frage nach und erfahre, dass es irgendwie 32 NOK sind. Leute, geht mir nicht auf den Zeiger. Dafür gibt es denn eben einen Kvikk Lunsj an der Rezeption und dann ist der Drops, oder vielmehr der Schokoriegel auch gelutscht. Den Vormittag verbringen wir beim Zusammensitzen und mit Deckgängen.

    So langsam wird es Tag.



    Und mit diesen morgendlichen Impressionen beschließe ich den Bilderbericht.

    Es gibt noch einmal die leckeren Gebäckstücke aus dem Havly, sogar zum Mitnehmen bekomme ich welche ausgereicht. Das letzte Mittagessen steht auch an, ein letzter Rundgang über das Schiff und sonst lassen wir uns einfach treiben. Die meisten können anscheinend das Anlegen in Bergen nicht erwarten und stehen schon ungeduldig bereit, als dann schließlich bei gutem Wetter Bergen in Sicht kommt. Überschüssiges Gebäck bekommt die Crew, die wohl an Bord bleibt. Harald ermahnt alle Crewmitglieder zu pünktlicher Rückkehr, für uns gilt das nicht, denn hier ist Endstation. Die Ankunft in Bergen ist das Schmuckloseste der ganzen Reise. Zwölf Tage Seefahrt enden an einem Gepäckband, auf dem die Gepäckstücke kreisen wie die Schiffe zwischen Bergen und Kirkenes.

    Ich verabschiede mich von Ulrike, Stephan und Angelika – Schwiegermutter wird noch viele Reisen unternehmen. Abends wollen wir gemeinsam noch die Reise im Restaurant ausklingen lassen, was bei hervorragendem Essen auch so stattfindet, und danach gibt es noch einen Abschiedsschluck im Hotel der Drei, bevor sich unsere Wege trennen. Ich mache es mir im Hotelbett bequem und habe am nächsten Vormittag noch Zeit für Bergen, fotografiere und treffe einen Hobbykollegen, der mir Unterstützung bei einem Artikel über die Bybane angeboten hatte. Mittags fahre ich dann mit der Stadtbahn zum Flughafen, wo alles entspannt abläuft. Ich fliege nach Kattowitz in Polen, wo es dann kälter war als während aller Tage in Norwegen. Mit dem Nachtzug fahre ich über Prag nach Budweis und komme (leider) wieder an im tschechischen Alltag.

    Fazit

    Die Strecke ist bekannt, Norwegen an sich auch, die Jahreszeit war mir auch nicht neu. Braucht es ein Fazit? Ich denke schon: Havila ist angetreten, um mit Hurtigruten um bessere Qualität zu rittern. Das gelingt in vielen Punkten sehr gut – das Frühstückskonzept überzeugt mich, die Ruhe ist viel wert, gerade für Menschen, die etwas sensibler auf Unruhe reagieren. Beim Abendessen musste ich manchmal lange suchen, um etwas zu finden. Das Mittagessen ist genial, wenngleich ich mir da auch einfach mal eine Portion Pasta wünschen würde. Oder Nudelsalat. Nicht überzeugen konnte die Reiseleitung von Hild, das war einfach nur lustlos. Mit allen anderen Angestellten an Bord gab es keine Probleme, das Personal war professionell und freundlich, manchmal brauchte es nur seine Zeit. Das Bordguthaben ist gut und schön, aber das Drängeln nicht... Selbst mit der Reinigungskraft habe ich mich lange unterhalten können, die hatte gefragt, ob sie auch während meiner Anwesenheit reinigen dürfe. Ich ging dann einfach ins Havly. Die Ausflüge sind bei beiden Reedereien gleich (über)teuer(t) und wurden von mir geflissentlich ignoriert. Das Schiff ist zwar neu, krankte aber an einer Reihe von Defekten, die wohl erst auf der Werft ausgebessert wurden. Wurde ich vor meiner Reise dafür verlacht, auf einem „Hartz IV-Dampfer“ zu reisen, muss ich sagen, dass das Publikum sich in nichts von anderen Schiffen unterscheidet. Insgesamt ist Havila natürlich anders und ein bisschen mehr Information im Vorgang zur Reise wäre schön, aber ich würde sowohl mit den roten als auch mit den blauen Schiffen wieder fahren.

    Epilog

    Auch wenn die Hurtigrute irgendwie erwartbar ist – man weiß ja, wo man anlegt und wie lange, so weiß man doch nie, was einen vor Ort erwartet. Für mich, soviel Persönliches soll hier sein, ist das Schifffahren eine angenehme Art der Kur, einerseits kann ich tun und lassen, was ich möchte, andererseits ist für Vieles gesorgt. Betrüblicherweise werde ich auf absehbare Zeit zu so einem Preis nicht mehr reisen können. Ich bedanke mich bei Schwiegermutter Angelika („Martin, Du bist so herrlich bekloppt!“), Ulrike („Du bist jetzt adoptiert!“) und Stephan („Dem Ingenieur ist nichts zu schwör.“) für die angenehme Begleitung und bei den Leserinnen und Lesern hier im Forum für die freundliche Aufnahme meines Berichtes und die zahlreichen Konversationen. Bis bald. Wo auch immer, wie auch immer. Am besten zwischen Kirkenes und Bergen – und wenn es nur gedanklich ist.

    Martin :godtur HA:

  • wie immer: einfach genialer Reisebericht :sdanke: und ebensolche Fotos :o-thumbup

    Hast du davon noch mehr Bilder?

    Vielen Dank.


    Viele weitere Bilder habe ich nicht, die ähneln sich alle. Sobald ich wieder schauen kann, werde ich aber gerne die übrigen Bilder auch heraussuchen. Näher dran war ich aus Zeitgründen leider nicht.


    Viele Grüsse

    Martin

  • Ich schliesse mich meinen Vorschreibern an: ganz herzlichen Dank für diesen Bericht - ich habe jede Zeile genossen (und die Fotos sowieso!). Ich hoffe sehr, dass ich diese Reise irgendwann nochmals machen kann: einmal reicht einfach nicht! Und bis dahin mache ich sie immer mal wieder in Gedanken: dank den tollen Berichten hier im Forum! :o-thumbup

  • Die "Architektur in Trondheim" sieht mit Schnee besser aus als im Nieselregen!

    Danke für den erheiternden Reisebericht mit den tollen Fotos, da hast du mich wieder auf so manche Fotoidee für zukünftige Reisen gebracht- weather permitting.

    Wie meine Vorposter schon erwähnten, darf es gerne noch einen Bildernachschlag geben...

    Viele Grüsse, Albatross
    Reiseberichte im Profil

  • Vielen Dank für den lebendigen Bericht und die schönen Fotos :flower: ! Dir und mir und allen anderen wünsche ich, dass es doch irgendwann nicht nur gedanklich :o-wink wieder klappt mit einer der schönsten Seereisen der Welt, bis dahin reise ich gerne bei solch tollen Berichten mit.

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