Prag im Herbst 2023 vom 28.09. - 05.10.2023

  • Vorbemerkung: Im Herbst 2022 haben meine Bremer Freunde und ich in Wien einen runden Geburtstag gefeiert, in diesem Jahr fahren wir aus ebensolchem Anlass nach Prag.


    Es würde mein dritter Besuch in Prag sein! Im Juli 1968 war ich zum ersten Mal dort, wenige Wochen bevor der Prager Frühling durch die Armeen des Warschauer Pakts gewaltsam beendet worden ist.

    Zum zweiten Mal war ich mit meinem Mann zum Jahreswechsel 1970/1971 mit Studentenreisen im Bus von Braunschweig aus in Prag, mit stundenlangen Wartezeiten an der Grenze, auf dem Wenzelsplatz standen noch Panzer!

    Und nun ist es von Leipzig aus mit der Bahn quasi ein Katzensprung nach Prag.



    Tag 1: 28. September, Donnerstag, Anreise und ein erster Rundgang


    Am Abend vorher waren die Bremer mit ihrem WoMo angereist.


    Nach dem fast üblichen Hin- und Her (Verspätung wegen Reparatur am Zug, Zug fällt aus, Erdsatzzug) bei der DB starten wir um 11:31 Uhr doch noch pünktlich von Leipzig Hbf nach Dresden, wo wir in den EC nach Prag umsteigen wollen. Der EC, aus Richtung Berlin kommend, hat Verspätung, die 1. Klasse ist restlos ausgebucht. Reisende ohne Fahrkarte werden aufgefordert, eine andere Verbindung oder die 2. Klasse zu nutzen. Nach etwas Chaos haben sich alle sortiert. Durch Ringtausch können Paare wieder nebeneinandersitzen und ich nehme auf einem Einzelsitz am Fenster Platz.

    Die Fahrt zuerst an der Elbe entlang und durch das Elbsandsteingebirge und später durch das Moldautal ist ausnehmend schön!

    Wir erreichen den Hauptbahnhof (Hlavni nádrazí) Prag fast pünktlich gegen 15:40 Uhr. Der Hauptbahnhof ist nicht barrierefrei, Fahrstühle von den Bahnsteigen zur nächsten Ebene gibt es so gut wie keine, die Rolltreppen fahren nur aufwärts. Also rollen wir mit unserem Gepäck erst bis zum Ende des Bahnsteigs und von dort eine lange Rampe (sogar das Gefälle ist angezeigt) hinunter.


    Die Ausschilderung zu öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Tram ist mangelhaft, lediglich zur Metro gibt es Hinweisschilder. Also fragen wir Einheimische und gelangen auf diese Weise problemlos zur Straßenbahnhaltestelle.


    Unsere gebuchte Ferienwohnung liegt am Rande der Staré Mesto, der Altstadt, in der Karoliny Svetlé. Mit der Tram 9 sind wir in wenigen Minuten dort.

    Übrigens ist die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel für Personen über 65 Jahre kostenfrei, der Eintritt in Museen ist reduziert auf 50%.


    Nachdem uns die die Vermieterin alles Notwendige gezeigt hat und wir uns etwas eingerichtet haben, gehen wir erst einmal in ein Café ein Stück die Straße hinunter, trinken einen Capuccino bzw. einen Kaffee und lassen uns ein Stück Kuchen schmecken. Die junge Frau, die uns die Getränke bringt, ist ausnehmend freundlich. Das werden wir den gesamten Aufenthalt so erleben.


    Es ist nicht weit bis zur Moldau. Gestärkt erreichen wir in wenigen Minuten die Karlsbrücke.


    Da stehen wir nun, blicken auf und über den Fluss hinauf zum Hradschin mit der Burganlage und dem Veitsdom, und auf die Karlsbrücke.


             



    Es sind viele Menschen unterwegs, die Lokale voll, auf der Moldau herrscht ebenfalls reges Treiben.


    Vor dem Altstädter Brückenturm biegen wir auf die Karlova ab,


                  


    passieren das Klementinum und schauen immer wieder an den so unterschiedlich gestalteten Fassaden hoch. Für Architekturinteressierte ist Prag ein El Dorado!




    Jugendstil


     


    Renaissancegebäude mit Sgraffitoschmuck.


    An der Husava angekommen erinnern wir uns an den Tipp aus einem der Reiseführer, „öfter mal nach oben zu gucken“ und siehe da, wir erblicken Kunst in luftiger Höhe:


    „Der Hängende“, der an Sigmund Freud erinnert, ist ein Werk des Popkünstlers David Černy, dessen provokante Arbeiten sind an vielen Stellen im Stadtgebiet zu sehen.



    Es ist nicht weit zum Theater am Geländer (Divadlo na zábradlí), das eng mit dem Namen Václav Havel verbunden ist. Er arbeitete dort in den 1960iger Jahren zunächst als Bühnentechniker, später als Dramaturg und Hausautor.

    An der Ecke des Gebäudes befindet sich in der ersten Etage ein weiteres Kunstwerk von David Černÿ. Tagsüber eher unscheinbar, verwandelt sich das Gebilde nachts in ein beleuchtetes Embryo.



    Noch ein paar Schritte und wir erreichen das Restaurant „Stoletti“, wo wir gut und günstig essen und uns das erste Pilsner Urquell schmecken lassen.


    Unsere Ferienwohnung liegt nur 150m entfernt, wo wir noch etwas zusammensitzen, diesen ersten Tag ausklingen lassen und kurz über den morgigen sprechen..


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • uns das erste Pilsner Urquell schmecken lassen.

    Für Biertrinker ist Tschechien ein El Dorado, ich mag Budweiser und Staropramen ganz gerne.


    Eine gute Idee von Euch, mit dem Zug zu fahren. Von HH auch unkompliziert möglich, nur dauert es etwas länger.


    Bin auf die Fortsetzung gespannt. ;)

  • omlia

    danke für die Vorschusslorbeeren! Ich hoffe, ich werde ihnen gerecht. Meine Tage in Prag habe ich doch sehr nach meinen Bedürfnissen und Vorlieben gestaltet.


    Schraffi

    Es ist nicht beim Pilsner Urquell geblieben! Abgesehen davon, dass ich es sehr mag, war dieses erste Glas so etwas wie ein Erinnungsbier. 1968 bin ich zum ersten Mal in die Tschecheslowakei gereist und zwar als Betreuerin einer Sportgruppe aus dem Braunschweiger Raum. Wir waren neben Prag u.a. auch in Pilsen, wo wir die Brauerei besichtigt und natürlich Pilsner Urquell probiert haben.

    Es hat dann sehr lange gedauert, bis man dieses Bier, zumindest im Westen der Republik kaufen konnte und dann nur in Flaschen.

    Und Du hat Recht mit dem El Dorado für Biertrinker, zumal es, obwohl offenbar etwas teuer geworden ist, noch recht günstig ist. Auf jeden Fall sahen wir in den nächsten Tagen viele Gruppen von zumeist männlichen Biertrinkern, die sich schon Mittags in den Lokalen und davor das Bier schmecken ließen! Es gibt auch so etwas wie Straßenausschank, auch dort herrschte rege Nachfrage.


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Tag 2: 29. September, Freitag Josefov (Josefstadt)


    An diesem Freitagmorgen verlassen wir unser Zuhause auf Zeit bereits um kurz nach 9:00 Uhr.

    Unser heutiges Ziel ist Josefov (Josefstadt), das einstige Jüdische Viertel.


    Bevor wir uns dorthin auf den Weg machen, müssen wir aber zunächst einmal frühstücken. Der 28. September ist Feiertag in Tschechien, es ist der Todestag des heiligen Wenzel. Deshalb konnten wir nicht für das Frühstück einkaufen. Im Café Standard hatte man uns gestern auf unsere Nachfrage das Artic Bakehouse empfohlen, da könne man gutes Brot kaufen. Im Reiseführer lasen wir abends, dass es in dieser Bäckerei unter isländischer (!) Leitung sehr gutes Sauerteigbrot und allerlei hervorragende süße und deftige Teilchen gäbe.

    Also auf zum Testen!


    Unsere Ferienwohnung liegt in der Staré Mesto, die Bäckerei in der Nové Mesto, deshalb überqueren wir die Národni, die beide trennt, und gehen durch einige kleine Seitenstraßen, dabei fällt und das eine oder andere auf:


    Da ist z.B. das Haus mit dem außergewöhnlichen Dach“schmuck“:


        


    Ich habe bisher nicht herausgefunden, wie und warum die beiden Figuren den Weg auf das Dach gefunden haben.


    Einige Meter weiter am Rande eines kleinen Platzes eine Schwengelpumpe, wie ich sie aus Leipzig kenne:



    In der Bäckerei angekommen, kaufen wir ein Brot für die nächsten Tage, das übrigens wirklich sehr lecker schmeckt, und suchen uns je nach Gusto ein Teil für das Frühstück aus. Ich z.B. habe mich für ein Blätterteigstück mit Zimt und Zucker entschieden, köstlichst!!!

    Ausgerüstet mit Tüten und Bechern mit Kaffee schlendern wir an das Ufer der Moldau, finden Plätze auf einer Bank und frühstücken.


    In die Josefov wollen wir mit der Tram fahren, schließlich muss man bei einem Städtetrip immer darauf achten, zwischendurch die Füße zu schonen, Pflastertreten ist anstrengend.

    Es trifft sich gut, dass an der Halltestelle, an der wir in die Tram 17 einsteigen wollen, von allen modernen Bauten, die nach 1989 errichtet worden sind, eines der interessantesten der Stadt steht.

    Das Tanzende Haus errichtet von 1992-1996, entworfen von einem US-Kanadischem und einem Kroatisch-tschechischem Architekten für einen niederländischen Versicherungskonzern, wenn das nicht international ist!


    Aber nun zu diesem Gebäude:

    Im Tanzenden Haus befinden sich u.a. Büros, eine Galerie, ein Hotel, das Restaurant „Ginger&Fred“ und eine Panoramaterrasse.


    am Tag bei Nacht  


    In Reiseführern ist zu lesen, dass das Gebäude den Beinamen „Tanzendes Haus“ erhalten habe, weil es an das Tanzpaar ‚Ginger Rogers und Fred Astaire‘ (aus den 1920/30iger Jahren) erinnere. Nun so viel Fantasie habe ich nicht, ein gelungener Werbegag ist es allemal.

    In meinem Kopfnotizbuch notiere ich: evt. Besuch bei einer erneuten Reise nach Prag.


    Nach diesen Schlenkern steigen wir nun endlich in die Straßenbahn Nr. 17. Die Tram ist gut gefüllt, aber sofort steht jemand auf und bietet uns seinen Platz an. Auch das wird immer wieder passieren. Es war mir schon in Wien positiv aufgefallen und hier in Prag ist es genauso!


    Josefov


    Vorweg eine Anmerkung: von der ruhmreichen Vergangenheit der Prager jüdischen Gemeinde ist heutzutage nichts mehr zu sehen. Ende des 19. Jh. ist die überfüllte Josefstadt (Josefov) weitgehend abgerissen worden. Geblieben sind sechs Synagogen, das Jüdische Rathaus und ein Teil des Alten Jüdischen Friedhofs. Heute zählt die jüdische Gemeinde ungefähr 1700 Mitglieder.


    1994 erhielt die jüdische Gemeinde das 1906 gegründete und nach dem 2. Weltkrieg verstaatliche Jüdische Museum zurück. In mehreren Synagogen verteilt werden ein Bruchteil der einzigartigen und umfangreichen Sammlung gezeigt.


    In der Hohen Synagoge, die genau wie das Jüdische Rathaus öffentlich nicht zugänglich ist, kaufen wir uns Tickets um die Synagogen besuchen zu können, wozu auch Audio-Guides gehören. Sie sind übrigens für 7 Tage gültig.

    Neben der Hohen Synagoge steht das Jüdische Rathaus, hier sieht man noch deutlich, wie eng die Gassen einstmals waren:


          


    Zunächst besuchen wir die Altneusynagoge (Staronová synagóga), die zu den ältesten in Mitteleuropa gehört und eines der ältesten der gotischen Bauwerke Prags ist. Diese Synagoge wird wie die Hohe Synagoge von der jüdischen Gemeinde genutzt. Deswegen müssen männliche Besucher auch eine Kopfbedeckung tragen.


            


    Unser nächstes Ziel ist die Maiselova synagóga, ursprünglich im Stil der Renaissance errichtet, dann nach einem Brand barock wieder aufgebaut und später Ende des 19. Jh ein Umbau im neugotischen Stil. In dieser Synagoge zeigt das Jüdische Museum die Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren vom 10. bis zum 18. Jahrhundert.



    Unser nächstes Ziel ist die Spanische Synagoge. Sie entstand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Ihren Namen verdankt sie ihrer pseudomaurischen Stilelemente. Als wir uns der Synagoge nähern, sehen wir eine lange Warteschlange. Schnell merken wir, dass sie nicht in die Synagoge wollen sondern vor dem daneben stehenden ersten Kafka-Denkmal Prags. Sie wollen sich vor der kopflosen Skulptur fotografieren lassen.

    Wir betreten die Spanische Synagoge ohne Wartezeiten.

    Hier wird der zweite Teil der Ausstellung der Geschichte von der Aufklärung bis zur Gegenwart gezeigt.


              


    Zum Schluss besuchen wir die Pinkas-Synagoge (Pinkasova synagoga)



    Es ist die zweitälteste Synagoge und heute eine Gedenkstätte für die Opfer des Holocausts in Böhmen und Mähren. Bei der Umgestaltung erhielten die fast 80.000 Opfer der Nationalsozialisten, die im Zeitpunkt ihrer Ermordung lediglich Nummern gewesen waren, ihre Namen zurück. Sie sind an den Innenwänden zu lesen. Im ersten Stock sind Kinderzeichnungen ausgestellt, die zwischen 1942 und 1944 in Theresienstadt entstanden sind.

    Kein Ort, um zu fotografieren! Das gleiche gilt für den danebenliegenden Alten jüdischen Friedhof. Zwischen 1439 und 1787 wurden hier etwa 100.000 Tote aus Platzgründen übereinander bestattet.


    Nachdem wir die Audio-Guides zurückgegeben hatten, brauchten wir erst einmal eine Pause.


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Schraffi

    Danke für den Hinweis auf die Tanzenden Türme in Hamburg! Wieder etwas (kennen-)gelernt!


    Mein Hinweis, meine Fantasie reiche nicht aus, um darin das Tanzpaar Ginger & Fred zu erkennen, galt nur für diesen Bezug.

    Das Gebäude und wie es sich in die Umgebung einfügt, gefällt mir nämlich ausgesprochen gut! Und die Geschichte, wie es zu dessen Bau gekommen ist, auch.


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Tag 2: 29. September, Freitag Josefov (Josefstadt), Teil 2


    Nach einer kleinen Stärkung setzen wir unseren Rundgang fort, in die Klausensynagoge und den Zeremoniensaal gehen wir jedoch nicht.


    Wie eingangs bereits geschrieben, wurden Ende des 19. Jh. große Teile der alten Josefov abgerissen.

    An ihrer Stelle wurden große bürgerliche Wohnhäuser mit Jugenstilfassaden errichtet, die das Bild des Stadtteils heute noch prägen.

    Eine der Prachtstraßen Prags, die Pariser Straße (Parīzská), führt vom Altstädterring direkt auf die Moldau zu. Sie wird gesäumt von reich geschmückten Jugendstilhäusern, in denen sich edle Boutiquen und Geschäfte, Cafés und Restaurants finden.

    Da die hohen und teilweise sehr breiten Gebäude als Ganzes schwierig zu fotografieren sind, stelle ich nur einige wenige Beispielfotos aus dem ganzen Gebiet ein, und stattdessen Fotos von Details.

    Von der Staronová kommend beginnt die Fotoauswahl an der Červená/Parízská in „loser Schüttung“.


     


     


       




    Als wir am Altstädterring angelangt sind, überqueren wir ihn zügig. Diesen touristischen Hotspot heben wir uns für einen anderen Tag auf. Wenn man Nebenstraßen bzw. Gassen nutzt, kann man den Touristenströmen ganz gut ausweichen.


    Auf dem Weg kaufen wir noch ein und sind dann bald in der Unterkunft angelangt.


    Wir lassen uns abends Pasta und Salat in einer kleinen Pizzeria schmecken, die wir morgens auf dem Weg zur Bäckerei entdeckt hatten, machen noch einen kurzen Abstecher zur Moldau, blicken hinauf zu Hradschin und Veitsdom und lassen den Abend bei einem Glas Wein ausklingen.


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Tag 3: 30. September, Samstag, Spaziergang durch die Malá Strana (Kleinseite)


    Wir hatten uns im Vorfeld der Reise darauf verständigt, weder über die Karlsbrücke zu gehen, noch den Hradschin mit der Burganlage und dem Sankt-Veits-Dom zu besuchen. Das wollten wir uns für einen weiteren Besuch Prags in einer Jahreszeit mit hoffentlich weniger Touristenströmen aufheben.

    Unser heutiges Tagesziel ist die Malá Strana, der Stadtteil unterhalb der Prager Burg am Ufer der Moldau. Wir wollen mit der Tram hinauffahren und zu Fuß hinuntergehen.

    Vor dem Národni divadlo (Nationaltheater) steigen wir in die Tram, die über die Moldaubrücke ‚most Legli‘ fährt und danach Richtung Hradschin abbiegt.

    Am Malosrtanské námêstí,dem einstigen Markplatz des Viertels, steigen wir aus.


    Hier wollen wir unseren Spaziergang beginnen und zwar mit der Besichtigung der Kirche Kostel svatého Mikuláše ( Sankt-Nikolaus-Kirche).

    Die Kirche zählt zu den prachtvollsten Barockbauten Europas.

    Ihre mächtige Kuppel samt Glockenturm ist weithin sichtbar und zählt zu den Wahrzeichen Prags.



    Betritt man die Kirche, bleibt einem förmlich die Luft weg ob all des Prunks, der Farbenpracht, dem Gold und Marmor und den filigranen Schnitzarbeiten.


       


          


    Das Deckenfresko zeigt Szenen aus dem Leben des Bischofs Nikolaus von Myra.

    Leider konnte man nur bis auf die Galerie hinaufgehen, der restliche Aufstieg bis auf den Kirchturm ist gesperrt.


    Als wir aus der Kirche heraustreten, schauen wir über den Platz mit der Dreifaltigkeitssäule oder auch Pestsäule hinüber zur Burg und zum Dom



    und gehen durch einen Durchgang hinab zur Trziste


    spazieren durch enge Gassen und über einen kleinen Platz,


    passieren die US-Botschaft und erreichen schließlich die Vlašska ulice (Welsche Gasse) und damit unser Ziel die Deutsche Botschaft, die in dem hochbarocken Lobkovický palác aus dem frühen 18. Jh. der Familie Lobkowitz logiert.



    Im Spätsommer 1989 wurde die Botschaft der Bundesrepublik zum Zufluchtsort von Tausenden von DDR-Bürgern, die in der Botschaft und in dem dahinterliegenden Garten kampierten.

    Eine eher unauffällige Informationstafel weist auf dieses Ereignis hin sowie den Weg, wie man auf die Rückseite des Botschaftsgeländes gelangt, von wo man den Garten einsehen kann und auch den Balkon, von dem aus Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher am 30. September 1989 den jubelnden Menschen bekannt gab, dass sie in die Bundesrepublik ausreisen dürften.


    In einem weiten Bogen umrunden wir das Botschaftsgelände biegen an einem Spielplatz links ab – auch von hier hat man einen guten Blick auf die Domtürme


    und erreichen die Stelle, an der so etwas wie eine Sichtschneise den Blick auf Garten und Balkon sowie einen Trabi auf vier plumpen Menschenbeinen mit dem Titel Quo Vadis, einem weiteren Werk des Popkünstlers David Černý, ermöglicht



    Obwohl selbst keine DDR-Bürgerin hat mich dieser Anblick sehr berührt. Zum einen kenne ich Menschen, die betroffen waren, zum anderen habe ich im Juni 2023 in Halberstadt ein dokumentarisches Theaterstück des Eisenbahntheaters „Das letzte Kleinod“ mit dem Titel ‚ÜBER DEN ZAUN- Theater über die Flucht in den Westen‘ gesehen, das auf Erzählungen von Zeitzeug:innen basiert. Bei der Aufführung waren auch welche anwesend.


    Wenn wir schon weder von der Burg noch von den Türmen der St Nikolaus-Kirche die Aussicht auf die Malá Strana noch auf Teile Prags genießen können, erhoffen wir uns das von dem barocken Terrassengarten Vrtbovská zahrada‘ aus.

    Ein Schild vor einer alten Hausinschrift weist uns den Weg

    Etwas versteckt liegt hinter einem kleinen Durchgang zur Karmelitská dieser barocke Terrasssengarten am steilen Hang des Petrín (Laurenziberg). Und von der obersten Terrasse haben wir tatsächlich einen wunderbaren Ausblick.




    Nach einer kurzen Kaffeepause spazieren wir Richtung Moldau und unserem nächsten Ziel der Insel Kampa.


    Es herrscht reges Treiben, was man besonders an der


    John-Lennon-Gedenkmauer merkt.


    Kurz nach der Ermordung John Lennons in Dezember 1980 erschienen auf dieser Mauer die ersten Graffitis ,seine Fans schrieben nach und nach Bekenntnisse und Botschaften nieder. Die „Give peace a chance’ Sprüche

    waren in sozialistischen Zeiten Ausdruck politischen Protests.

    Nach der Samtenen Revolution und dem Ende des Kommunismus 1989, wurde die Mauer zunehmend zur Touristenattraktion und dementsprechend mit Sprüchen ‚verziert‘


    Wir gehen weiter und schlendern weiter durch den Park auf der Insel Kampa. Die Insel wird durch den Čertovka (Teufelsbach) von der Malá Strana getrennt. Schön ist es und fröhlich geht es zu auf den Wiesen.

    Bald erreichen wir das Museum Kampa, das in einer alten Wassermühle am Ufer der Moldau untergebracht ist. So schön die Lage ist, seit der Eröffnung im Jahre 2002 wurde es schon zweimal von Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen.


    Es beherbergt die Kunstsammlung des einst nach Amerika ausgewanderten Ehepaares Jan Viktor Mládek (gest.1989) und Meda Mládková.

    Um das Museum herum sind originelle Kunstwerke installiert, darunter diese



    Auch das Gebäude selbst ziert eine ungewöhnliche Aussichtsplattform.




    Unser Spaziergang endet auf Höhe der Most Leglí am


    Mahnmal für die Opfer des Kommunismus



    Das bewegende Mahnmal wurde 2002 am Fuß des Petrins enthüllt. Die sieben Bronzefiguren und ein über 26 Stufen führendes Schriftband erinnert u.a. an die 248 aus politischen Gründen hingerichteten Menschen und die etwa 4500 politischen Häftlinge, die in den Gefängnissen starben. Sie symbolisieren die Standhaftigkeit all jener die durch das System zermürbt wurden aber nie aufgaben.


    Leider erleben wir hier einen Moment des „Fremdschämens“: eine Touristin posiert neben einer der Figuren und lässt sich von ihrem Begleiter fotografieren.


    Wir gehen erst einmal nach Hause und ruhen uns ein wenig aus


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Tag 3, Samstagabend – Dessert


    Abends überqueren wir noch einmal die Moldau, um im Café Savoy zu essen.


    Das Ambiente ist schon toll. Der Service war sehr aufmerksam und freundlich.


    Mit meinem Essen war ich nicht 100%ig zufrieden, vielleicht hatte ich auch die falsche Wahl getroffen mit Pommes Frites mit Trüffelspänen und Trüffemayonaise. Ich fand halt die Zusammenstellung interessant, ich hatte das bisher noch nie gegessen

    Die Pommes frites selbst waren sehr in Ordnung, die Trüffelspäne musste ich suchen, die Mayonaise war okay. Alles in allem war es zwar geschmacklich gut, jedoch stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

    Zum Nachtisch habe ich mir noch Buchteln mit Vanillesauce gegönnt. Die waren superlecker und haben mich versöhnt.


    Meine Freunde waren zufriedener, sie hatten die bessere Wahl getroffen.


    Jedenfalls werde ich bei einem weiteren Pragbesuch nicht unbedingt noch einmal dort essen.


    Der Rückweg über die Brücke mit Blick auf Hradschin, Karlsbrücke, Nationaltheater war sehr schön und ein toller Abschluss dieses Tages.

    Und weil ich das IPhone dabei hatte, gibt es sogar ein paar Fotos als „Dessert“


    Das Národni Divadlo und die dazu gehörende Nova Scéna


     


    Das Museum Kampa



    Hradschin Karlsbrücke Altstädter Brückenturm


                   


    Gute Nacht sagt

    Aus Leipzig BBe49

  • Tag 4: 01. Oktober, Sonntag, vom Altstädterring zum Pulverturm und ein Theaterbesuch


    Nach einem etwas späteren Sonntagsfrühstück verlassen wir die Ferienwohnung und gehen Richtung Altstädter Ring.

    Dabei benutzen wir, wenn möglich, nicht so stark frequentierte Gassen, wie diese z.B.


    wenn einem allerdings ein Reisegruppe entgegenkommt, heißt es, stehenbleiben, sich an die Wand drücken und abwarten.



    Es dauert nicht lange und wir stehen auf dem Altstädter Ring (Staromestské námestí). Neben dem Hradschin ohne Zweifel der Ort in Prag, den sich alle Besucherinnen und Besucher Prags ansehen. Es ist ja auch ein wunderschöner Platz mit all den prachtvollen Gebäuden aus verschiedenen Jahrhunderten, wie z.B. diesem eleganten Rokokogebäude (erbaut 1755-1765) dem Goltz-Kinský-Palais (Palác Golz- Kinských).



    Auffällig an diesem Gebäude ist neben der prachtvollen Fassaadengestaltung, dass es weiter in den Platz hineingebaut worden ist als alle anderen Häuser. Auch damals hat es offenbar schon Möglichkeiten gegeben, Bauvorschriften zu umgehen.

    Ende des 19. Jh. wurde das Gebäude in ein deutsches Gymnasium umgewandelt. Franz Kafka besuchte es, ebenso Max Brod, Franz Werfel und Karl Kraus.


    Der Altstädterring ist nicht nur wunderschön sondern auch ein geschichtsträchtiger Ort. Er diente als Station auf dem traditionellen Krönungsweg der böhmischen Könige vom Pulverturm zum Hradschin als Krönungsplatz aber auch als Hinrichtungsstätte.

    1918 demonstrierten hier die Prager für eine eigenständige Tschechoslowakei. 1945 wurde hier die siegreiche Rote Armee von einer jubelnde nMenge empfangen. 1948 verkündete vom Balkon des Palác Golz- Kinských der erste kommunistische Präsident Klement Gottwald den Umsturz im Land, 1968 war der Platz Schauplatz der Geschichte als der Prager Frühling durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes ein gewaltsames Ende fand. 1988 zogen am 20. Jahrestag des Prager Frühlings Tausende über den Platz und durch die Altstadt und protestierten für Freiheit und Bürgerrechte und im Februar 1990 stand auf dem genannten Balkon der Dissident und spätere Präsident Václav Havel und sprach über seine Vorstellungen von der demokratischen Erneuerung seines Landes.


    Von besonderer Bedeutung für die Prager ist das monumentale Jan-Hus-Denkmal , das den 9000m2 großen Platz beherrscht



    Es wurde im Jahr 1903 gestiftet und 1915 anlässlich des 500. Todestages von Jan Hus enthüllt. Wer mehr über Jan Hus (vermutlich 1370-1415) und die Folgen seines Wirkens erfahren möchte, bemühe die Quellen des Internets.


    Das Altstädter Rathaus (Staroméstá radnice) sieht nicht gerade so aus, als handele es sich um ein Bauwerk, das als Ganzes entworfen und errichtet worden ist.

    Des Rätsels Lösung:

    Als die Bürger der Altstadt im 14. Jh. endlich das Recht erhielten, ein Rathaus als eigenes Verwaltungszentrum zu errichten, baute man nicht etwa ein neues Gebäude sondern nutzte einfach das bestehende Stein’sche Eckhaus als ‚Stammhaus‘ , an das im Jahr 1364 ein viereckiger Turm angebaut wurde. Nach und nach erweiterte man das Gebäudeensemble, z.B. kam um 1360 das Krzízhaus hinzu, und baute um. Erst Ende des 19. Jhd. kam die Bautätigkeit zu Stillstand.



          


    Die Aufschrift ‚PRAGA CAPUT REGNI (Prag, Hauptstadt des Königreichs) über dem Renaissancefenster stammt aus dem Jahr 1520.


    Weil es zeitlich gerade passt, gesellen wir uns zu der stetig anwachsenden Menge der Schaulustigen, die sich vor dem Rathausturm versammelt, um den zu jeder vollen Stunde stattfindenden Apostelumzug zu sehen.




    Anschließend setzen wir unseren Weg Richtung Pulverturm fort jedoch nicht durch die Celetná sondern durch die Tynská um zur Teynkirche (Týnský chrám) zu gelangen.



    Die Türme dieser Kirche sind prägend für die Altstadt, ich finde sie einfach nur schön, weil filigran mit den Spitzen.


    Auf dem Weg zur Kirche erreichen wir zunächst den Teynhof den sogenannten „Ungelt“ nach dem hier einstmals zu entrichtenden Zoll.

    Nur einige wenige Schritte entfernt geht es hier relativ beschaulich zu trotz Lokalen und Läden.


        


    Wir essen leckeres Eis, schauen uns Marionetten und sehr schönes Holzspielzeug an, ich kaufe in einem Laden von KOH-I-NOOR Stifte für meine Enkel ein



    Nach Passieren der Theynkirche, die leider geschlossen ist, schaue ich noch einmal zurück.

    Das Foto zeigt deutlich, wie eng das alles in der Altstadt ist



    Kurz vor Erreichen des Pulverturms stoßen wir auf die Celetná


    voll ist es hier


    Unmittellbar daneben befindet sich das Gemeindehaus (Obecní dūm), ein monumentaler Jugenstilbau, der Anfang des 20. Jh. errichtet worden ist. Nach meinem Verständnis handelt es sich um ein „Gesamtkunstwerk“; d.h. alles an diesem Gebäude innen und außen, wurde von verschiedenen Künstlern gestaltet und ist auch stimmig zu der Architektur.

    Ich stelle hier nur einige Fotos aus dem Inneren ein, wer nach Prag kommt, sollte einmal um das riesige Gebäude herumgehen und anschließend hinein, vielleicht ein Konzert anhören, oder einfach nur zu schauen oder wie wir, einen Kaffee zu trinken.


       


      



    Zum Abschluss dieses Sonntagnachmittags besuchen wir im Ständetheater (Stavoské divadlo) eine Aufführung der „Zauberflöte“ von W.A. Mozart.


    Das klassizistische Gebäude bleibt wohl für immer mit Wolfgang Amadeus Mozart verbunden.


         


    Hier hat er im Januar 1787 die „Hochzeit des Figaro“ dirigiert, einige Monate später folgte die Weltpremiere von „Don Giovanni“.



    Den Tag beschließen wir mit einem Essen in einem asiatischen Lokal in der Nähe des Theaters gemeinsam mit der Freundestochter, die inzwischen zu einem Kurztripp zu unserer kleinen Reisegruppe gestoßen ist.


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • BBe49 - wie schön, dass es in deinem Bericht weiter geht! Ich hatte Prag bisher noch nie auf dem Schirm, aber deine Beschreibungen machen Lust darauf und zeigen, dass man offensichtlich die Gruppen, die nur wegen des günstigen Biers dort einfallen, gut umgehen kann :o-wink

    Die Gebäude jeden Stils sind faszinierend und deine Beschreibungen ersetzen jeden Reiseführer!

    Viele Grüsse, Albatross
    Reiseberichte im Profil

  • Albatross - ja, Prag ist in vielerlei Hinsicht sehenswert! Mir fällt auch keine Stadt ein, in der ich bisher so viele Baustile "auf einen Haufen" gesehen habe, so dass man die Unterschiede auf einen Blick sehen kann.


    Und nun geht es weiter mit dem Bericht


    Tag 5, 2.10.2023, Montag, etwas Nove Mestó, ein Treffen, eine Fahrt mit der Tram


    Am späteren Vormittag verlasse ich Wohnung und Freunde und mache mich auf zu einem Treffen mit einer guten Bekannten aus Saarbrücken, die zufällig auch gerade in Prag ist. Wir sind im Café Academia in der gleichnamigen Buchhandlung am Wenzelsplatz verabredet.


    Mein Weg führt mich mal wieder hinüber in die Neustadt. Beim Überqueren der Narodni schaue ich erneut auf dieses Haus mit viel Grün und Spiegelung



    Bevor ich zum Neustädter Rathaus am Karlsplatz gelange, fällt mir diese Wandmalerei auf




    Das Neustädter Rathaus, erbaut im 14. Jh,, war Schauplatz des ersten der Prager Fensterstürze



    Am 30. Juli 1419 warfen aufgebrachte Hussiten zwei katholische Ratsherren aus den Fenstern des Neustädter Rathauses. Dieses Ereignis markierte den Beginn der Hussitenkriege.


    An diesem Montagmorgen ist zum Glück dergleichen nicht zu erwarten und ich schlendere guter Dinge weiter Richtung Wenzelsplatz, schaue ab und zu auch mal nach oben



    komme an prachtvollen Gebäuden verziert mit Sgraffiti vorbei


               


    und folge weiter der Vodičkova bis zur Nr. 30


    hier befindet sich eines der ersten Kaufhäuser Prags das Dum u Novaku (Haus zu Novak)


    Der Kaufmann Jan Novak ließ es 1878 im Stil der Neorenaissance errichten. In den Jahren 1901-1904 wurde es von dem Jugendstilarchitekten Osvald Polivka nochmal richtig umgebaut.




    Besonders beachtenswert ist das große Mosaik des Malers Jan Preisler. Es hat so große Ausmaße, dass man es nur von der gegenüberliegenden Straßenseite einigermaßen gut sehen kann.


    Wie in so vielen Gebäuden in der Nove Mestó führen auch hier Passagen hinein und hindurch in angrenzende Häuser


               



    Ich könnte mich noch einige Zeit in all die Details vertiefen, muss nun aber weiter, meine Verabredung wartet.


    Es ist nicht weit bis zur Buchhandlung Academia direkt am Wenzelsplatz, wo meine Bekannte bereits wartet.

    Wir haben Glück und bekommen in dem gemütlichen Café in der 1.Etage sogar noch Plätze auf dem kleinen schmalen Balkon mit Blick von oben auf das Treiben auf dem Wenzelsplatz.


    Von hier hat man auch gute Sicht auf das (ehemalige) Hotel Europa


    Es wird seit Jahren umgebaut und hat offenbar währenddessen seinen Namen geändert.


    Schade, dass es immer noch geschlossen hat. Ich wäre gern hineingegangen und hätte geschaut, wie es nach über 50 Jahren aussieht. Mein Mann und ich hatten dort zum Jahreswechsel 1979/71 gut und auch günstig gegessen.


    Die Zeit vergeht im Fluge und wir müssen wieder los. Wir schlendern einmal den Wenzelsplatz entlang, quer durch die Altstadt bis zum Rudolfinum, wo meine Bekannte in die Tram steigt, um in den Stadtteil Troja zu fahren. Ihr Wohnmobil steht dort auf dem Campingplatz.


    Ich beschließe spontan ebenfalls Straßenbahn zu fahren. Gedacht getan, ich steige in die Tram 2, die gerade kommt.

    Sie überquert die Moldau über die Manésúv most, fährt den Berg hinauf, am Hradschin vorbei und schraubt sich in mehreren engen Kurven immer höher hinauf. Mir war vorher nicht bewusst, wie hoch die die Vorstädte ringsherum eigentlich liegen.


    Da die Gegend immer uninteressanter wird, beschließe ich an der Haltestelle gegenüber dem Eingang des Verkehrsmuseums (Muzeum Mestské) auszusteigen.



    Das Museum ist sicherlich für diejenigen ein lohnendes Ziel, die sich für alte Busse und Straßenbahnen interessieren.


    Wenn keine Bäume dazwischen lägen, könnte ich auf die Prager Burg hinabblicken.

    Mit der nächsten Tram 2 fahre ich zurück bis zur Haltestelle ‚Malostranská‘ und steige dort in die Tram 22 um, mit der ich meine Sightseeing-Tour quer durch die Stadt fortsetze. Vorbei am Eingang zur Burganlage, wo es jetzt am späten Nachmittag nicht so voll ist, im Vorbeifahren noch ein Blick auf die Kostel svatého Mikuláše , die wir am 3. Tag besichtigt haben, die Kleinseite entlang, über die most Leglií, am Narodni Divalo vorbei Richtung Vihnohrady, einem südöstlich gelegenen Stadtteil. Immer wieder denke ich, bei einem nächsten Besuch lohnt es sich bestimmt, hier auszusteigen.

    Das Stadtbild ändert sich, Plattenbauten bestimmen das Bild.

    Angesichts der fortgeschrittenen Zeit, steige ich spontan an der Haltestelle ‚Koh-i-noor‘ aus, ohne so recht zu wissen, was mich dort erwartet. Ich hatte lediglich sofort an die Ende des 18. Jh. gegründete Papier- und Bleistiftfabrik aus Budweis gedacht. Gestern habe ich doch noch in dem kleinen Laden im Ungelt Stifte für meine Enkel gekauft.


    Und das erwartet mich:



    Offenbar fast ein Lost-Place


    Und gegenüber Plattenbausiedlung so weit das Auge reicht



    Nach einem kurzen Rundgang fahre ich wieder zurück in Richtung Wohnung.


    Zum Abendessen gehen wir in das Lehká hlava, einem vegetarischem Restaurant, unweit unserer Unterkunft.

    Ein nettes Lokal mit angenehmen Ambiente, sehr schmackhaften Essen, das auch Nicht-Vegetarier überzeugt. Eine gute Wahl!


    Im Kavárna Slavia mit Blick auf die Moldau verkürzen wir die Wartezeit auf den anstehenden Geburtstag auf angenehme Art und Weise.

    Die anderen Drei probieren unter dem Gemälde „Der Absynthtrinker“ von Viktor Oliva aus, wie man stilecht Absynth trinkt, ich halte mich an einen Cocktail mit ein wenig Absynth darin.


    Ohne irgendwelche Folgen jedoch bester Laune verlassen wir das Lokal und erreichen ohne Probleme die Wohnung.


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Tag 6: 03. Oktober, Dienstag: Haus zur Schwarzen Madonna



    An diesem Morgen werden wir auswärts frühstücken und zwar im Café Orient, das sich im Haus zur Schwarzen Madonna (Dum U Černe Matky Bozí) befindet



      


    Dieses Gebäude an der Ecke der Straße Celetná und Ovocný mit der außergewöhnlich Fassadengestaltung wird aus gutem Grund wahrscheinlich in jedem Reiseführer erwähnt.


    Das Haus zur Schwarzen Madonna wurde von 1911 bis 1912 als erstes kubistisches Wohnhaus Europas gebaut. Die Namensgebende kleine schwarze Madonna hinter Gittern befand sich schon an dem barocken Vorgängerbau.


    Bis zum Besuch in Prag kannte ich den Begriff „Kubismus“ nur aus der bildenden Kunst, aus Werken von Braque, Picasso und anderen. Ich wusste nicht, dass Anfang des 20. Jh. auch Prager Architekten auf die Grundformen des Kubismus zugriffen und entsprechend Gebäude planten.

    Dementsprechend spricht man auch vom ‚Prager Kubismus‘.


    Schon das Treppenhaus ist sehenswert



    Blick von oben nach unten und von unten nach oben


    Auch das Café Orient im ersten Stock ist ganz im kubistischen Stil gehalten, die Lampen, die Tapeten, das Geschirr alles


      


    Nach einem reichhaltigen Frühstück in diesem schönen Ambiente gehen wir wieder Richtung Wohnung, weil die Freundestochter verabschiedet werden muss.


    Unser Weg führt an weiteren Beispielen des Prager Kubismus und der Sonderform Rondokubismus vorbei


    an diesem Haus in der Vodičkova



    An der weltweit einzigen kubistischen Straßenlaterne samt Sitzmöglichkeit



    Zum Jungmannovo námestí (Jungmannplatz).


    Hier steht das Palais Adria,


    das eine italienische Versicherungsgesellschaft von 1923-1924 errichten ließ.

    Auch das Innere des Gebäude ist prachtvoll gestaltet


       



    Während der ‚Samtenen Revolution‘ 1989 tagte hier übrigens das Bürgerforum mit Václav Havel.



    Nicht mehr weit und wir sind zurück in der Wohnung.


    Nach einer Pause geht es weiter…


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Tag 6: 03. Oktober, Dienstag: Teil 2 Václavské Námestí (Wenzelsplatz)


    Nach der Mittagspause machen wir uns auf den Weg zum Wenzelsplatz, 700m lang und 60m breit.

    Eigentlich wirkt er gar nicht wie ein Platz sondern eher wie eine breite Flaniermeile auf der Tag und Nacht viele Menschen unterwegs sind. Gesäumt von Geschäften mit Einkaufspassagen, Banken, Hotels, Kinos und Diskotheken.


    Die obere Stirnseite wird vom Nationalmuseum (Národní muzeum) einem monumentalen Neorenaissancebau begrenzt.

    Davor thront der Heilige Wenzel seit 1912 auf einem Pferd. Vorher musste er noch auf seinen eigenen Füßen stehen.



    Da der obere Teil des Platzes noch nicht für den Fahrzeugverkehr gesperrt ist, stauen sich oftmals Autos.


    Eines der schönsten Häuser am Wenzelsplatz ist das


    Lucena-Palais, erbaut von 1912-1916,



    mit seiner verwinkelten Einkaufspassage und vielen Geschäften, einem Kino, verschieden Lokalen und einem Café.


    Das ist unser Ziel.

    Durch die Pasáž Rokoko betreten wir die Lucena Passage.



    erreichen bald das Rondell mit dem Aufgang zum Kino



    und treffen erneut auf den heiligen Wenzel wieder auf dem Pferd sitzend, dieses Mal jedoch auf dem Bauch



    Dieses zeitgenössische Kunstwerk stammt von dem bereits genannten Popkünstler David Černý. Wie man sieht, wird es fleißig fotografiert.


    Im Café , im Foyer zum Kino, in den Treppenaufgängen sind überall Jugendstilelemente zu finden.



    Gestärkt mit Kaffee und Kuchen, verlassen wir auf einem anderen Weg die Passage


    fühlen uns beobachtet



    Und stehen wieder auf dem Wenzelsplatz.


    Wir spazieren hoch zum Nationalmuseum, von wo wir von der großen Freitreppe über die gesamte Länge des Platzes und die sich stauenden Autos schauen.


    Ein paar Meter vom Denkmal des Heiligen Wenzel entfernt erinnert ein Gedenkstein an Jan Palach (im Januar 1969) und Jan Zajík (im Februar 1969) die Protest gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt Staaten und die brutale Beendigung des Prager Frühlings den Freitod durch Selbstverbrennung wählten.


    Ich erinnere mich an meinen zweiten Besuch in Prag Ende 1970, dass noch Panzer auf dem Wenzelsplatz standen.


    Nachfolgende einige der vielen Gebäude, die den Platz säumen. Einige gut saniert, einige etwas schäbig wirkend und nicht immer ansehnlich die Reklamen.



    Hier kann man gut das Nebeneinander von Jugendstil, der Architektur während der sozialistischen Zeit und nach 1989 sehen (von rechts nach links).




    Zum Glück für unsere Füße ist es nicht all zu weit zur Unterkunft.


    Zum Geburtstags-Abendessen müssen wir mehrere Stationen mit der Metro in den Nordosten Prags fahren. Die Freundin hatte sich das Restaurant PEPR a SUL ausgesucht und damit wahrlich einen Glücksgriff getan.


    Als wir die Metrostation verlassen, passiert etwas, womit wir überhaupt nicht gerechnet haben:

    Dunkle Gewitterwolken ziehen auf, es blitzt und donnert und ein Platzregen geht hernieder. Nach etwa 10 Minuten Warterei unterm Vordach lässt der Regen soweit nach, dass wir einigermaßen trocken das Lokal erreichen.


    Ein eher unscheinbares Gebäude in einer schmalen Seitenstraße, der Gastraum hell und modern eingerichtet, aufmerksamer und freundlicher Service.


    Das Essen war super lecker, das beste was ich in Prag gegessen habe. Wir haben alle Wildschweinbraten, mit Rotkohl und Klößen gewählt und dazu der Weinempfehlung folgend einen guten, trockenen Rotwein getrunken.


    Leider waren die Portionen so groß, dass kein Platz mehr war für einen der verführerisch klingenden Nachspeisen.


    Lediglich ein Espresso und ein Grappa ging noch.


    Das Preis- Leistungsverhältnis stimmte absolut.


    Zufrieden verlassen wir das Lokal und spazieren zur Metro.


    Irgendwo in der Gegend muss sich ein Fußballstadion befinden. Jedenfalls steigen an der übernächsten Station Fans offensichtlich von Sparta Praha ein, die lautstark den Sieg ihres Vereins gegen wen? feiern. Laut jedoch nüchtern!


    Ein weiterer schöner Tag ist zu Ende


    Aus Leipzig grüßt BBe49

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