Prag im Herbst 2023 vom 28.09. - 05.10.2023

  • Danke Arctica ! Ich sag ja, man muss nur im Forum nachfragen, irgendjemand weiß die Antwort! Bist Du etwa Fan von dem Verein? Ich habe gleich nachgeschlagen, in meinem Reiseführer wird behauptet, das sei der „FC St. Pauli“ Prags…


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Nö, aber ich bin Grossmeister im Googeln :laugh1: Ich habe einfach Sparta Prag 3. Oktober eingegeben. Seit ich mal die Adresse von meinem Urgrossvater von vor über 100 Jahren im Netz gefunden habe, wundert mich diesbezüglich nichts mehr.

    Meine Fahrten: FINNMARKEN - NORDLYS - NORDNORGE - KONG HARALD - VESTERÅLEN - LOFOTEN (5X) - FRAM

    Reiseberichte siehe Profil !


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  • Jetzt musste ich ein paar Berichte nachlesen! Was wäre ich gerne mit euch gereist. Soviel Interessantes habe ich in Prag noch nie gesehen. Du solltest einen Führer schreiben. Hoffentlich finde ich Deinen Bericht noch, wenn ich jetzt mal wieder dorthin fahre. Und das muss sein!!!!

    Danke!

  • Balou über das Schreiben werde ich mal nachdenken, aber die gewerbliche Konkurrenz scheint mir doch zu groß zu sein... :/


    Nun geht es mit dem letzten Tag weiter:


    Tag 7: 04. Oktober, Mittwoch: Dies & Das


    Unser letzter Tag in Prag ist angebrochen. Wir wollen uns noch einiges ansehen.

    Zunächst fahren wir mit der Tram 9 einige Haltestellen, um


    Die Jerusalemsynagoge zu besuchen.

    Nachdem man Ende des 19.Jh. mit den Assanierungsarbeiten im Stadtteil Josefov begonnen hatte, wurde ein Verein für den Bau einer neuen Synagoge als Ersatz für drei abgerissene gegründet.

    Im Januar 1899 kaufte der Verein ein altes Haus in der Jerusalemstraße in der Nové Mësto, ließ es abreißen und hatte so ein Grundstück für den Neubau.

    Gebaut wurde in den Jahren 1905-1906.

    Ein nach meinem Empfinden recht ungewöhnlicher Anblick: mitten in einer Häuserzeile eine Synagoge im pseudomaurischen Stil



    Die am 16. September 1906 geweihte Synagoge ist mit 850 Sitzplätzen die größte Prags. Sie wird genau wie die Altneusynagoge heute noch von der jüdischen Gemeinde in Prag genutzt.

    Das Innere des Gotteshauses ist gut erhalten geblieben, weil sie während des zweiten Weltkriegs als Lager missbraucht worden ist. Von größeren mutwilligen Zerstörungen wurde sie deshalb verschont.



    Auf der Frauengalerie wird in zwei Ausstellungen über ‚das jüdische Leben in Prag von 1945 bis heute‘ sowie über ‚Jüdische Monumente in Tschechien‘ informiert.



    Allein deshalb hat sich der Besuch für mich gelohnt, ich habe wieder viel gelernt.


    Unser nächstes Ziel ist das


    Mucha-Museum (Muchovo muzeum)


    In diesem Museum werden die Werke des weltweit bekannten Jugendstil- Künstlers Alfons Mucha (1860 bis 1939) gezeigt. Er begann seine Karriere in Wien als einfacher Bühnen- und Porträtmaler. Ein reicher Mäzen hat ihm schließlich ein Kunststudium finanziert.

    Es sind Beispiele seiner berühmten Pariser Plakate für die Schauspielerin Sarah Bernardt ausgestellt aber auch die weniger bekannten tschechischen Plakate.

    Die Wandfresken im Priamatorensaal des Gemeindehauses (Obeční dūm) stammen von ihm, er entwarf außerdem Innenausstattungen, kunstgewerbliche Gegenstände, Banknoten, Orden, Briefmarken und dergleichen, auch davon sind Exponate zu sehen.

    Dieses kleine Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert.


    Fotos habe ich nicht gemacht, manchmal muss man einfach nur schauen und die Dinge auf sich wirken lassen.


    An der nächsten Ecke befindet sich die Hauptpost, einem von außen nicht besonders auffälligen Gebäude.

    Innen aber staunt man über die Wandmalereien in der Kassenhalle und das Glasdach



    Als ich aus der Hauptpost wieder hinausgehe, fällt mir ein Durchgang auf der anderen Straßenseite auf. Neugierig gehe ich hinein.


    Hinterhof“idylle“



    im Zentrum Prags


    Nun ist erst einmal eine Pause angesagt…


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Tag 7: 04 Oktober, Mittwoch: Teiil 2, Dies & Das


    Nach der Pause schlendere ich planlos durch die Altstadt. Zur Stadtbücherei möchte ich noch.

    Auf dem Weg dorthin passiere ich den Gallenmarkt (Havelské tržíštšë)



    An dem Platz steht eines der ältesten Gebäude der Stadt



    Es gibt auch hier eine der vielen Passagen Prags



    Sehenswert ist dieses Gebäude



    Überall in Prag finden sich Hauszeichen oder ähnliches, eine kleine Auswahl:



    Ich erreiche den Mariánské námestí mit dem


    Neuen Rathaus (Nová radniice)



    und der Stadtbücherei (Mestská knihovna v Praze).




    Darin befindet sich mein letztes Ziel des heutigen Tages. die sog. Säule des Wissens

    Ich stelle mich geduldig in der (kurzen) Schlange an, um in die 5.2 m hohe Säule aus 8.000 Büchern zu schauen.


        


    Ich muss gestehen, dass mich der Blick in die Tiefe große Überwindung kostete.


    Später las ich, dass Fotos vor/neben und in die Säule ein Renner auf Instagramm seien. Da aber Social Media nicht mein Ding ist, wusste ich das natürlich nicht.


    Der Kreis schließt sich: unser letztes Abendessen nehmen wir wie am ersten Abend im Restaurant Stoleti ein.


    Auf dem Weg dorthin noch einmal ein Blick über die Moldau



    Für mich gibt es „Lange geschmorten Schweinebraten mit Sauerkraut, Knödel und einer wunderbaren Sauce“, dazu ein Pilsner Urquell (immer noch mein Favorit unter den Bieren).

    Auf der deutschen Speisekarte stand: …mit „Kartoffelpuffer“. Wahrscheinlich wissen alle im Forum, dass das die Übersetzung für eine böhmische „Knödelscheibe“ ist, nur ich als Norddeutsche nicht.

    Wie heißt es so treffend? Reisen bildet!


    Der Tag endet mit Packen, morgen geht es nach Hause..



    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Tag 8, 5. Oktober, Donnerstag: Rückreise


    Der Tag der Rückreise ist gekommen.


    Nach dem Frühstück werden die restlichen Sachen gepackt und die Wohnung in Ordnung gebracht. Ein letzter Rundblick und wir verlassen unser Zuhause auf Zeit.


    Unser Zug soll erst um 10:25 Uhr abfahren. Wir haben ausreichend Zeit eingeplant, so dass wir uns den historischen Teil des Hauptbahnhofs anschauen können.

    Der Bahnhof wurde im Jahr 1871 gebaut, das Aufnahmegebäude aber wurde erst in den Jahren 1901-1909 nach Entwürfen des Architekten Josef Fanta im Jugendstil gebaut.

    Wenn man heute ankommt oder abreist sieht man normalerweise diesen Teil des Bahnhofs gar nicht, außer man geht gezielt dorthin, so wie wir heute.


        




    Nach diesem erfreulichen Anblick wird es Zeit, eine Etage tiefer zu gehen und sich vor der großen Abfahrtstafel zu positionieren.

    Auf den Fahrkarten werden die Gleise nämlich nicht angegeben, auch entsprechende Aushänge sind nicht zu finden.


    Die Bahnsteige- und nur die - werden etwa 20 Minuten vor Abfahrt auf der großen Tafel angezeigt und der Tross der Reisenden setzt sich in Bewegung. Glücklicherweise sind die Wege nicht weit. Wegen des fast gleichzeitigen Ankommens kommt es an den jeweiligen Wagentüren zu Pulkbildungen von Reisenden mit ihren Gepäckstücken. Das setzt sich im Zug fort, was auch an dem unübersichtlichen Platz-Reservierungssystem in den tschechischen EC liegt.

    Nach einigem Hin- und Her mache ich ein australisches Ehepaar glücklich, indem ich auf einen Einzelsitz umziehe, so dass es nebeneinander sitzen kann.


    Alle haben ihren Platz gefunden, es ist 10.25 Uhr, der Zug könnte also pünktlich abfahren. Tut er aber nicht, stattdessen erfolgt die Durchsage auf Tschechisch und Englisch, dass sich die Abfahrt wegen einer im Ausland entstandenen Verspätung verzögere. Ich stutze kurz, das hatten wir auf der Hinreise doch schon einmal, wo es auch stimmte.

    Ich, als Bahnvielfahrende, habe eine neue Ausrede/Begründung in ‚meiner Sammlung‘.


    Mit 10 Minuten Verspätung geht es dann los, die Fahrt durch das Moldautal und das Elbsandsteingebirge ist wieder sehr schön.

    Der Umstieg in Dresden klappt problemlos, über die restliche Fahrt gibt es nichts zu berichten, wir erreichen den Leipziger Hbf pünktlich um 14:30 Uhr!


    Abends treffen wir uns mit meiner Tochter und Familie bei unserem Stammgriechen zum gemeinsamen Essen in Leipzig-Gohlis, es gibt viel zu erzählen, schön wieder zu Hause zu sein!


    Die Freunde und ich lassen den Abend bei einem Glas Wein ausklingen, morgen werden sie weiterfahren.

    Wieder ist ein schöner gemeinsamer Urlaub zu Ende.



    Ein Fazit folgt.


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Wie du die Stadt erlebst und kenntnisreich beschreibst, ersetzt wirklich jeden Reiseführer.

    Das hatte ich dir ganz zu Anfang des Berichts geschrieben.


    Diese Vorschusslorbeeren hast du dir wahrhaftig mehr als verdient.


    Ganz herzlichen Dank! :sdanke: :sdanke:


    Viele Grüße

    omlia :o-smile


    Reiseberichte im Profil

  • Zum Abschluss meines Berichtes nun noch das Fazit:


    Die Art der Unterkunft war für uns als Kleingruppe wieder ideal. Die Lage an der Grenze zwischen Alt- und Neustadt ebenso. Viele der Ziele waren fußläufig erreichbar. Für den Fall, dass nicht, waren Metro -und Tram-Haltestellen in unmittelbarer Nähe.


    Dass Prag zu einem der beliebtesten Städtereisezielen gehört, war uns bekannt, also keine Überraschung. Wir haben uns darauf eingestellt und deshalb Ziele, wie Hradschin, Altstädter Ring usw. weitgehend gemieden.


    Wir haben beim Besuch von Restaurants und Cafés ausnahmslos nur gute Erfahrungen gemacht, immer war der Service freundlich und zuvorkommend.

    Essen und Getränke sind in Prag günstiger als in anderen vergleichbaren Großstädten, allerdings sind wir auch immer nur außerhalb der Touristen Hot-Spots eingekehrt. Und wenn man mal nicht die richtige Wahl trifft, wie ich im Café Savoy, dann war es mein Fehler.


    Was mir sonst noch aufgefallen ist:


    - In Prag sind die Folgen und Brüche der unterschiedlichen politischen Systeme in den Jahren seit dem 1. Weltkrieg nicht zu übersehen. Stadtteile, wie die Kleinseite z.B., sind für die Prager seit 1989 nicht mehr bezahlbar. Sie sind zwangsläufig in andere Stadtteile ausgewichen.

    Das kenne ich aus Leipzig.


    - Prag ist eine so vielfältige, quirlige Stadt, dass man gar nicht weiß, wohin man zuerst gucken soll.

    Deswegen habe ich auch relativ wenig fotografiert.


    - Früher sah man an bestimmten Punkten, Menschen mit den (unhandlichen) Stadtplänen kämpfen. Heutzutage fällt man auf, wenn man auf einen Faltplan schaut.

    Jetzt laufen sie durch die Gegend, starren auf ihr Smartphones auf der Suche nach dem richtigen Weg und schauen kaum nach rechts und links.

    Ich war immer wieder verblüfft, dass sie nicht irgendwo gegen rannten.


    Ich habe viel gesehen aber noch viel mehr nicht gesehen, und mir deshalb fest vorgenommen, bald wieder für ein paar Tage zurückzukehren. Ich muss ja noch mehr Straßenbahnfahren, einige Stadtteile abseits vom Zentrum erkunden, und, und..

    Außerdem komme ich nach Prag schneller mit dem Zug (von Leipzig inkl. Umsteigen in Dresden beträgt die Fahrzeit gerademal 4 Stunden) als z.B. nach Köln oder Saarbrücken.


    Meine Informationsquellen waren übrigens hauptsächlich die folgenden Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag:


    Prag – individuell reisen, 11. Auflage 2021

    Und

    Prag Stadtabenteuer, 1. Auflage 2020.


    Danke an alle, die mich begleitet haben!


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Vielen Dank für den detailierten Reisebericht und die vielen Fotos.

    Mein Mann und ich waren vor etwas über 20 Jahren in Prag, damals konnten wir zwar vieles noch in Ruhe anschauen und Ginger und Fred gab es auch schon, aber es hat sich doch vieles verändert und das Essen dürfte besser geworden sein.


    Liebe Grüße, Kamilla

  • BBe49 - da hast du uns Appetit gemacht mit deinem Bericht! Du zeigst, dass man den Besuchermassen gut ausweichen kann und es auch ( oder besonders) abseits der ausgetretenen Pfade viel Interessantes zu sehen gibt, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht.

    Grinsen musste ich bei deiner Beschreibung der Smartphone-Starrer. Damit und mit den Navis kann man sich jeden Orientierungssinn abgewöhnen :o-wink

    Viele Grüsse, Albatross
    Reiseberichte im Profil

  • Für die Smartphonestarrer gibt es ja auch schon ein Wort - Smombie. Eine Zusammensetzung von Smartphone und Zombie. Wobei ich sagen muss, ich nutze in einer Stadt durchaus auch Google Maps, wenn ich schnell den Weg zu etwas Bestimmten suche oder zur Orientierung. Zumal mir auch schnell angezeigt wird, wie lange ich zu Fuss brauche, resp. wie weit der Weg ist. Auch finde ich sehr praktisch, wenn mir Maps eine U-Bahnstation resp. Haltestelle anzeigt, ein Klick drauf und man weiss, welche Linien da fahren. Oder man sucht ein POI und mit einem Klick hat man die Öffnungszeiten. Und zum von Albatross angesprochenen Orientierungssinn - es gibt genug Leute, die verlaufen sich in einer Drehtür und haben null Orientierungssinn. Und das sind beileibe nicht nur Frauen. Da ist es schon hilfreich. Ich denke Orientierungssinn hat man oder hat man nicht.

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  • Arctica

    wieder ein neues (Kunst-)Wort kennengelernt!

    Ich nutze zwar aus bestimmten Gründen nicht Google und Google Maps sondern Alternativen, die sind schon sehr hilfreich, wenn man sich -so wie ich gestern- total verfranzt hat.

    Auch als ich vor mehr als 10 Jahren noch ein Auto besaß, sogar eins mit eingebautem Navi, wusste ich dieses sehr zu schätzen, allein in unbekannten Orten...


    Im Fazit meines Reiseberichts über Prag ging es mir allerdings lediglich darum, auf den ' Kampf 'beim Gebrauch von Stadtplänen in früheren Zeiten und wie sich der gemeine Tourist heutzutage durch die Stadt bewegt, hinzuweisen.


    Beim Schildern des Verlaufens in einer Drehtür (ich habe vor vielen, vielen Jahren mal in einem Gebäude mit einer gearbeitet) begann sofort das Kopfkino zu laufen und ich habe herzhaft gelacht!


    Aus Leipzig grüßt BBe49

  • Noch eine Anmerkung zu Faltplänen - an vielen Orten der Welt fällt es nicht auf, wenn man aufs Handy schaut. Mit Faltplan fällt man als Tourist sofort auf und das lockt doch den einen oder anderen Bösewicht. Und wer hat schon in der eigenen Stadt einen Faltplan dabei, aber man sucht vielleicht doch mal ein Strasse ;)

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