Westgrönland mit MS Fridtjof Nansen (29.6.-14.7.2023)

  • Auch wenn hier schon eine ganze Reihe von Grönlandberichten eingestellt wurden, will ich doch auch einen nachträglichen - sicher auch kürzeren und trockeneren - Bericht von unserer Reise mit der MS Fridtjof Nansen beisteuern, damit auch etwas über eine echte Hurtigruten Expeditions Reise und das neue Hybridschiff dabei ist.


    Eine ausführliche Beschreibung der Anreise erspare ich mir. Es ging unkompliziert von FRA nach KEF, wobei wir allerdings eine satte Stunde Verspätung schlucken mussten. Dadurch kamen wir erst knapp nach offiziellem Check-In-Schluss an Bord, was aber kein Problem war.


    Die Fahrt startete dann auch mit Rücksicht auf weitere verspätete Maschinen erst um 21 Uhr. Das Wetter war nicht berauschend, starke Bewölkung und ca. 10 Grad, aber immerhin trocken, so dass wir den Begrüßungscocktail im Freien auf Deck 10 einnehmen konnten, während die Skyline von Reykjavik entschwand.


    1.-2. Tag: Auf See in der Dänemarkstraße


    Wenn man so wie wir zum ersten Mal eine Expedtionsreise macht, ist es ganz gut, wenn man nicht schon 3 Stunden nach der Abfahrt den ersten Landevent hat. So konnten wir uns allmählich akklimatisieren und alles an Bord kennenlernen. Es gab ja außerdem einiges an vorbereitenden Aktivitäten und auch verpflichtenden Vorträgen zu absolvieren. Dazu gehörte

    • Reinigung der eigenen Outdoor-Kleidung vermittels Staubsauger. Dies fand ich ehrlich gesagt relativ lächerlich, denn es gab keine Kontrolle dieser Tätigkeit und der Staubsauger war ein Billigprodukt, der wahrscheinlich nur 30% Effektivität hatte. Das passte nun überhaupt nicht zum hochmodernen Hybridschiff.
    • Anprobe und Abholung der Gummistiefel für die Zodiac-Anlandungen.
    • Obligatorischer Vortrag über die Vorschriften der AECO (Association of Arctic Expedition Cruise Operators) bezüglich der Reinhaltung der Natur bei den Anlandungen.
    • Obligatorischer Vortrag für Interessenten an Kajaktouren (habe ich mir nur aus Interesse angehört, denn in so ein wackeliges Gerät bringt mich keiner).

    Ansonsten nutzten wir die freie Zeit für Spaziergänge auf dem Observation Deck 11, wo ein „Running Track“ von 150m Länge extra rot markiert ist, damit man dort nicht sportlichen Leuten im Weg steht, die die Strecke im Laufschritt zurücklegen. Außerdem nutzte ich die Zeit um einige Bilder vom Schiff und den Räumlichkeiten zu machen.

    das Riesendisplay im Fahrstuhlbereich, das von Deck 4 bis Deck 10 reicht...

    Explorer Lounge auf Deck 10. Hier fanden zusätzliche Vorträge statt, zumeist abends und in angenehmerer Atmosphäre als im Vortragssaal, wo die Luft bei Vollbesetzung oft stickig war (weshalb wir sehr oft von der Streaming-Option in der Kabine Gebrauch machten).


    Observation Deck 11 mit Running Track und anderen Sportgeräten.


    Observation Deck 7, alle auf der Suche nach Walen...


    Der erste Tag war noch grau in grau, aber am zweiten Tag kam gegen Mittag die Sonne heraus und abends – schon in Sichtweite der südöstlichen Küste von Grönland – hatten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang.

    der erste Eisberg...

    Sonnenuntergang 22:45 Uhr



    Fortsetzung folgt demnächst ….


    by the way: Da mir die Qualität von Fotos sehr wichtig ist, kämpfe ich hier sehr mit der vorgeschriebenen Begrenzung von 1000 Px, vor allem aber mit der maximalen Dateigröße von 150 kB. Das ist eine sehr herbe Einschränkung, 500kB fände ich in der heutigen Zeit angemessener.

    Ich werde wohl einige Bilder gar nicht einstellen, weil sie sonst für mich zu unbefriedigend sind....

  • zum 1. Tag auf See muss ich noch etwas nachtragen:


    Während des Abendessens ertönten plötzlich Sirenen und das Licht ging aus. Wir befürchteten schon das Schlimmste und sahen uns mit Schwimmwesten in den Rettungsbooten, aber dann kam die beruhigende Durchsage des Kapitäns: Es hatte in den Katakomben Rauchentwicklung gegeben, so dass Alarm ausgelöst wurde. Schuld war eine durchgebrannte Sicherung. Das Schiff würde jetzt mit Notstrom und reduzierter Geschwindigkeit weiterfahren, bis die Sicherung ausgetauscht wäre. Insgeheim dachte ich dabei: Hoffentlich hat der Elektriker die richtige Sicherung in seiner Tasche...

    Aber das Problem war zum Glück nach 3/4 Stunden behoben. Die MS Fridtjof Nansen nahm wieder Fahrt auf, die Lichter gingen wieder alle an und auch die WC-Druckspülung funktionierte wieder... ;)




    3. Tag: Qaqortoq


    Am Morgen um 10 Uhr erreichten wir die Bucht von Qaqortoq, wo unser Schiff bis 17 Uhr auf Reede blieb. Der Weg an Land erfolgte danach zügig mit Tenderbooten. Wir hatten dort ausreichend Zeit für eine Ortsbesichtigung auf eigene Faust. Sobald wir am Pier ausstiegen und keinen Fahrtwind mehr hatten, machten wir sofort Bekanntschaft mit den angekündigten tausendfachen Mücken. Gottlob hatten wir uns im HH-Bordshop bereits mit effizienten breitkrämpigen Moskitonetzhüten ausgerüstet. So konnten wir die ungebetenen „Follower“ auf Distanz halten. Erholung gab es zusätzlich in der Kirche bei einer Vorführung von traditioneller grönländischer Kleidung und typischen Trommeltänzen.

    Einen zusätzlichen kostenpflichtigen Ausflug zur Ruine Hvalsø mit Jetbooten ließen wir aus und waren schon am frühen Nachmittag wieder an Bord zur 130. Geburtstagsfeier von Hurtigruten (zur Erinnerung: am 2. Juli 1893 stach das Schiff Vesterålen unter Richard With in See und fuhr in 3 Tagen von Trondheim nach Hammerfest). Kapitän Martinsen persönlich schnitt die kalorienreiche Geburtstagstorte an und dazu gab es einen Cocktail.


    Um 17 Uhr ging es dann weiter nach Norden in Richtung Kvanefjord. Dabei gab es in der Abendsonne wieder interessante Eisformationen zu sehen.

    Auf dieser Eisplatte hätten Robert Peroni oder auch schon Fridtjof Nansen vielleicht bequem gezeltet...

  • Sirenen an Bord - das ist ein Schreck in der Abendstunde auf den man gerne verzichten kann, nicht wahr? Gut, dass nichts dramatisches war. Tolle Bilder hast du da für uns :sdanke: :sdafuer:

    Grüße aus dem Rheinland


    Berichte sind in meinem Profil

  • Ja, tolle Bilder! Für die kleinen Displays wie Handy, Tablet ist die Qualitât vollkommen ausreichend....

    Vor allem bekommt man schon Mal einen ersten Eindruck vom Schiff.


    Freue mich auf die Fortsetzung.


    :) :) :)

  • radler und Kauderwelsch : Danke für die Blumen... bei den Fotos habe ich auf Grund meiner MF-Ausrüstung besondere Qualitätsansprüche. Die Ausarbeitung erfolgt an einem 27"-Monitor und auch nicht speziell für das Web, sondern für selbst ausgedruckte Bilder im Format A3-A2. Letzte Woche hatte ich endlich mein Fotobuch im Format 45x30cm abgeschlossen, da sind Bilder über Doppelseiten enthalten, also mit einer Kantenlänge von 90cm (in Pixeln: 10700 bei 300dpi) !! Daher macht es mir hier einige Mühe, die Bilder für den Bericht zusammenzupressen und zu verkleinern.


    Susanne : es ist auf jeden Fall wichtig, dass der Hut eine breite Krempe hat, damit das Netz nicht die Nasenspitze berührt, sondern frei herunterhängt. Und am unteren Rand des Netzes sollte ein Zug sein, damit man es um den Kragen herum gut schließen kann. Meiner ist von der Fa. Dovrefjell. Obwohl das Dovrefjell in Norwegen liegt, scheint die Fa. in Finnland zu sitzen: Link. :/ Gekauft habe ich sie wie gesagt im Bordshop des Schiffes für 20 €. Aber man wird in D sicher etwas ähnliches oder sogar besseres erhalten.

  • 4. Tag: Kvanefjord (Kuannersooq)


    Heute wurde es aufregend, denn es war der erste „Expeditionstag“, wo wir unsere Schwimmwesten und Gummistiefel anziehen mussten. Zur besseren Organisation dieser Schlauchbootfahrten und „nassen Anlandungen“ wurden die Passagiere vorab in Bootsgruppen eingeteilt. Wir gehörten dabei zur Gruppe „Beluga Whales“ und hatten ein entsprechendes Abzeichen auf unserer Jacke befestigt. Zur vorgeschriebenen Zeit musste man sich auf dem Expedition Launch Deck 3 einfinden und konnte dort das Schlauchboot besteigen, mit guter Unterstützung des Expedition Teams, so dass niemand ins Wasser fiel. Es war sogar eine Dame mit zwei Krücken an Bord, die nicht vor dem Zodiac zurückscheute und auch an Land kleinere Entfernungen bewältigte.


    Bei den Schlauchbootfahrten war es immer ratsam möglichst weit hinten zu sitzen, wo die Schläge durch Wellen bei rasanter Fahrt fast nicht zu spüren waren, während man im vorderen Teil des Bootes da gehörig durchgeschüttelt wurde und eine kräftige Po-Massage erhielt.


    Am Morgen passierten wir am Fjordeingang die Stadt Paamiut, die man aber nur schwer sehen konnte. Gegen 10 Uhr erreichten wir dann die Parkposition unweit des Fjordendes.

    Zunächst machten wir eine Zodiac-Rundfahrt und näherten uns dem Gletscher Nigerlikasik Bræ. Unser Bootskapitän Cristian vom Expedition Team fuhr sehr rasant hin, war dann aber doch sehr vorsichtig und hielt leider recht großen Abstand zur Gletscherkante, obwohl dort kein Kalben zu erwarten war.


    Am Nachmittag gab es eine erneute Schlauchbootfahrt zu einer nahe gelegenen geschützten Bucht, wo wir aussteigen und eine kleine Anhöhe hinaufsteigen konnten (in Gummistiefeln doch etwas beschwerlich). Dort hatte man eine sehr schöne Aussicht auf den Fjord und den Gletscher und konnte alte Inuit-Gräber finden, in denen sogar noch Schädel und Knochen unter Felsblöcken zu sehen waren.

    altes Inuit-Grab


    unser Wächter vom Expedition Team hält Ausschau nach Moschusochsen

    Seitenarm des Kvanefjord mit guter Eisbefüllung...


    Nach etwa 6 Stunden drehte unser Schiff und am späten Nachmittag ging es wieder hinaus aufs offene Meer, wo wir weitere schiefe Ebenen aus Eis bewundern durften.

  • Zu den Mücken in Grönland: dort habe ich Ende August diesen Jahres, aber auch im letzten Jahres zur fast identischen Zeit nie eine gesehen. Die mögen wahrscheinlich kein bayer. Blut - ein Witz.

    Andere Reiseteilnehmer kamen auf beiden Grönlandreisen durchaus mit diesen fliegenden Grönlandbewohnern leider näher in Kontakt.


    Bei Vorträgen wurde auch täglich auf Mückenschutz hingewiesen.Hatte ich gar nicht dabei. Nur Sonnencreme.


    sw-fuzzy, danke für deinen Bericht, der sich doch unterscheidet zwischen Hurtigtuten, Hanseatic ,Aida

    und z..B. der MS Hamburg.


    Gruß seealpe

  • Andere Reiseteilnehmer kamen ... mit diesen fliegenden Grönlandbewohnern leider näher in Kontakt.

    Mich haben die Mistviecher am Anleger von Kangerlussuaq durch das Shirt durch gestochen :o-cursing


    sw-fuzzy - dein Bericht interessiert mich sehr, der Osten und Süden Grönlands ist noch terra incognita für mich.

    Deinen Kampf mit dem Verkleinern und der resultierenden nicht idealen Bildqualität kann ich nachvollziehen- selbst bei der kleinen Leica Q2 muss ich schon in 2 Schritten verkleinern, sonst wird das nichts. Wieviel schwieriger muss das dann erst bei Mittelformat sein!

    Viele Grüsse, Albatross
    Reiseberichte im Profil

    Edited once, last by Albatross ().

  • Denkt bitte daran, dass nicht alle user wissen, was mit MF oder Q2 gemeint ist. Ich weise noch einmal darauf hin, nur bekannte Abkürzungen zu verwenden.

    Gruß Jobo,


    Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste.
    - Susan Sontag -


    (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)


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  • Zur Erläuterung:

    MF = Mittelformat. Die klassische MF-Kamera war die Hasselblad mit dem quadratischen Bildformat 6x6 cm (Rollfilm).

    Die heutigen digitalen MF-Kameras haben zumeist einen 33x44mm-Sensor, seltener auch 40x54mm mit bis zu 150MPx.

  • Albatross : ja der Osten, das ist wahrscheinlich noch eine ganz andere Nummer. Es gibt ja da auch Hurtigrutenreisen, die mich interessieren würden. Habe in der Hurtigruten Expeditions Gruppe auf Facebook einen Bildbericht verfolgen können, der diesen Sommer kurz nach unserer Reise mit der MS Fram entstand. Leider kommt man dabei nicht nach Tasiilaq, wo Robert Peroni sein Red House hat. Das würde mich besonders interessieren. Dazu muss man dann aber direkt von Island aus hinfliegen. Vielleicht ist das ja aber auch konsequent. Denn Peroni hält sicher nichts von den (Expeditions)-Kreuzfahrt-Reisen, wo man nur oberflächlich das Land kennenlernt und eigentlich nicht richtig in Berührung mit den Bewohnern und ihren Problemen kommt. Aber im fortgeschrittenen Alter wie bei uns ist so eine Individualreise nach Grönland dann doch zu heavy.

  • So, ich will mal weiter machen mit unserer Reise, damit es nicht zu lange dauert, bis alles berichtet ist...



    5. Tag: Maniitsoq


    Leider hatte sich das Wetter verschlechtert. Die Wolken hingen jetzt sehr tief und die Hügel und Berge rings um den Ort lagen im Nebel, als wir kurz nach dem Mittagessen in der Bucht von Maniitsoq vor Anker gingen.

    Heute ging es wieder ganz gemütlich mit Tenderbooten an Land. Einzig der Aufstieg vom wackeligen Holzsteg hinauf zur Straße war etwas steil und für ältere Semester schwierig. Dort empfing uns ein redseliger einheimischer Führer und erklärte uns auf einem zweistündigen Spaziergang durchs Dorf fast jedes Haus. Trotzdem war es sehr interessant, von den kleinen Nöten und Bedürfnissen der Menschen sowie den Schul- und Fortbildungsmöglichkeiten in so einem kleinen und von der Welt recht abgeschnittenen Dorf zu erfahren. (Maniitsoq hatte bis zu den 90er-Jahren über 3000 Einwohner. Seitdem ist die Zahl auf ca. 2500 zurückgegangen).

    Am Ende des Rundgangs stand der Besuch des örtlichen Heimatmuseums auf dem Programm. Dort liegt auch der Friedhof. Da unser Führer wesentlich mehr erzählt hatte als sein Kollege in der Parallelgruppe, stießen die beiden Gruppen dann im Museum zeitgleich aufeinander. Dementsprechend voll wurde es und das machte den Besuch in den kleinen Häuschen mit engen Stiegen nicht so erquicklich. Mir ist daher das Museum nicht richtig im Gedächtnis geblieben und es gibt auch keine Fotos von mir von innen (für Interessierte hier Link zum Museum).


    Walgerippe, an der Felswand über dem Hafen mit Nägeln montiert


    Wegen der großen Anzahl von Brücken wird Maniitsoq auch das "Venedig Grönlands" genannt, was mir aber als deutlich überzogener Euphemismus erscheint .

    Heimatmuseum mit Friedhof


    Alternativ gab es noch die Möglichkeit eine Wanderung zum Telemasten-Aussichtspunkt (Sakkortusaavik) zu machen. Dazu musste man ca. 500 Stufen über eine Holzleiter hochsteigen. Wir verkniffen uns das, denn die Aussicht war an diesem Tag keineswegs „fantastisch“, wie es im Tagesprogramm versprochen worden war.


    Nach der Rückkehr zum Schiff wurde uns außerplanmäßig (vielleicht als Trostpflaster für das schlechte Wetter) noch ein weiteres „Highlight“ versprochen. Man hoffte Wale außerhalb der Bucht zu sichten und bot daher am späten Nachmittag noch eine Schlauchbootpartie an. Die fand dann allerdings bei Regen und schlechter Sicht statt. Wasserdichte Kleidung war also Pflicht. Von Walen jedoch keine Spur, nur viele Möwen begleiteten uns oder saßen auf den kleinen Felsen, die wir umrundeten. Trotzdem war es wieder ein schönes Erlebnis so hautnah in der Natur und auf dem Wasser zu sein.

  • 6. Tag: Sisimiut


    Das Wetter meinte es weiterhin nicht gut mit uns. Beim Aufstehen am frühen Morgen (7 Uhr) regnete es bereits (oder immer noch…). Ich hatte mich für eine 4-stündige Bergwanderung in Sisimiut angemeldet und war nun unsicher, ob das überhaupt Sinn macht.

    Kurz vor acht Uhr legte das Schiff dann direkt im Hafen am Pier an und wir konnten gemütlich an Land gehen. Am Ausgang trafen wir ein Ehepaar, das auch die Wanderung gebucht hatte und redeten noch darüber, ob oder ob nicht. Als wir das Schiff verließen, war es plötzlich von oben trocken und ich entschied mich die Tour zu machen. Meine Göttergattin blieb aber zurück und ging später zu Fuß ins Dorf um dort etwas herumzuspazieren und ins Museum zu gehen. Ich bestieg den Bus, der uns zum Ausgangspunkt der Wanderung brachte. Als wir dort ankamen, fing es prompt wieder zu regnen an. Aber mit der Expeditionsjacke war das kein großes Problem. Kapuze auf und los...


    Der Bus hatte uns in der „Hundestadt“ am östlichen Rand von Sisimiut abgeladen, wo die Polarhunde des Dorfes untergebracht sind. Das ist eine recht trostlose Ebene, wo nur die Hundehütten und andere recht kleine Behausungen stehen.


    Danach ging es ins Hinterland, wo ein größerer See liegt. Wir folgten auf unserer Tour dabei zunächst dem Arctic Circle Trail, der von Sisimiut auf 160 km Länge bis nach Kangerlussuaq führt und fast genau am Polarkreis entlangführt (woher der Name rührt). Er soll einer der isoliertesten und einsamsten Wanderwege überhaupt sein.

    Der Weg ging am See entlang, aber durch das schlechte Wetter (vielleicht schon seit längerer Zeit?) hatte das Wasser den Pfad auf einer Strecke von ca. 50m total überflutet. Die Inuit-Führerin und unsere Hurtigruten-Begleiterin Lise trugen Gummistiefel und hatten daher kein Problem durch das Wasser zu waten, dickere Steine zu sammeln und als Tritthilfe für uns hinzulegen. So konnten wir darüber balancieren um nicht total nasse Füße zu bekommen.

    Danach ging es vom See weg und endlich bergauf. Trotzdem war der Boden immer etwas morastig und man musste aufpassen seine Wanderschuhe nicht zu sehr zu „verschönern“.

    Nach ca. 2 Stunden – am Schluss auch über Schneefelder - erreichten wir schließlich den Endpunkt unserer Wanderung auf etwa 350-400m über Null mit einer bei schönem Wetter sicher traumhaften Aussicht auf Sisimiut und das Meer. Heute war davon allerdings nicht viel zu spüren. Der Aufenthalt blieb daher auch sehr kurz. Jeder machte schnell ein Foto von der grauen Suppe oder auch ein Selfie und dann ging es den gleichen Weg wieder hinab.

    Am Hundedorf nahmen wir zurück einen etwas anderen Weg und sahen dadurch noch zusätzliche Behausungen, zum Teil mit abenteuerlichen Verschlagskonstruktionen.

    Gegen Mittag war ich wieder an Bord und musste mich erst einmal trockenlegen. Denn nach vier Stunden Regen zeigte sich, dass die Hurtigruten-Jacke dann doch nicht 100%-ig dicht ist. Daher verzichtete ich auch auf einen weiteren Landgang (Deadline war 15:30 Uhr für die geplante Weiterfahrt) und begnügte mich mit dem, was meine Frau mir von ihrem Ausflug erzählte und den dazugehörenden Bildern.


    Für den Abend war eigentlich die geplante traditionelle Polartaufe im Freien auf Deck 10 geplant. Aber sie wurde wegen des schlechten Wetters zunächst einmal verschoben.

    Am kommenden Tag sollte dann der Höhepunkt der Reise kommen - Ilulissat Eisfjord mit separater Bootstour. Mal sehen, was daraus wurde. Die Fortsetzung folgt in Kürze...

  • Hier zu Hause ist das Wetter auch nicht viel besser als in Sisimiut, also kann ich getrost weitermachen. Wie wird das nun also mit dem Eisfjord ???



    7. Tag: Ilulissat (??) – Vaigat Sound (Atanikerdluk)


    Schon in den frühen Morgenstunden gab es mitunter eigenartige und teils krachende Geräusche. Als wir dann gegen halb acht zum Fenster hinausschauten, trauten wir unseren Augen nicht: ringsum kleinere und größere Eisberge.

    Das Schiff fuhr auch wesentlich langsamer als sonst. Nach dem Frühstück gegen neun Uhr kam die Durchsage vom Kapitän, dass die Einfahrt nach Ilulissat so durch Eisberge blockiert wäre, dass wir dort heute nicht hinkommen könnten. Der Kapitän entschied zunächst direkt zum Vaigat Sound zu fahren, wo wir planmäßig erst morgen hinkommen würden, um dann auf der Rückfahrt einen neuen Versuch zu machen Ilulissat zu erreichen.


    Also ging es mehrere Stunden weiter nach Norden. Das Schiff nahm auch wieder zunehmend Fahrt auf, weil die Eisberge nicht mehr so dicht lagen. Wir waren natürlich viel im Freien auf Deck 11 und liefen von links nach rechts und wieder zurück um die faszinierende Eiswelt ringsum zu bewundern.

    Drei Mal dasselbe Exemplar aus unterschiedlichen Richtungen...


    Am frühen Nachmittag erreichten wir dann das Ziel im Vaigat Sound, die Bucht Atanikerdluk, auf der Position 70°05’N, 52°32’W, das ist fast genau auf der Höhe von Alta in Norwegen.

    Eine Anlandung in der Bucht, wo man eine kleine Wanderung (u.a. zu einem Walfischgerippe) machen konnte, fand auf Grund der veränderten und nun fast doppelt so langen Schiffsroute erst am späten Nachmittag ca. 16 Uhr statt. Das führte insgesamt zu einem etwas hektischen Ablauf der vorgesehenen Ausflüge. So hatten wir leider nicht viel Zeit an Land und legten gar nicht die ganze Strecke bis zum Walgerippe zurück, da es in dem Gelände mit den Gummistiefeln nicht so gut voranging. (Kurze Nebenbemerkung: für die nassen Anlandungen waren die Gummistiefel immer Pflicht, da man beim Aussteigen am Ufer ja einige Schritte durchs Wasser machen musste. Aber natürlich konnte jeder zusätzlich Wanderschuhe in einen Rucksack packen um dann an Land die Schuhe zu wechseln. Das war uns jedoch zu aufwändig.)

    Wieder an Bord hatten wir nur eine kurze Verschnaufpause und dann ging es zum zweiten Mal zur Expedition Launch und ins Schlauchboot hinaus in den Vaigat Sound zu einer Rundfahrt zwischen Eisbergen. Dabei regnete es wieder kräftig, trotzdem war es eine hochinteressante Fahrt. Unsere Bootskapitänin war dabei Laura, die sich wissenschaftlich speziell mit Eisbergen beschäftigt und von einigen Exemplaren hin und weg war.


    Zurück an Bord war wieder Trockenlegen angesagt. Das Abendessen fand auf Grund des veränderten Tagesablaufs heute recht spät erst um 20 Uhr statt. Nach dem Dessert kam die immer gut gelaunte Restaurantcrew mit Gesang an unseren Tisch und kredenzte mir zum Geburtstag einen köstlichen Kuchen.


    Abfahrt aus dem Vaigat Sound und Umkehr Richtung Süden dann gegen 22 Uhr.


    Ob es wohl morgen mit dem Eisfjord klappt ?????


    Die Fortsetzung wird es zeigen...

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