Wellen, Wale und Whisky - Mit der MS Spitsbergen in der Inselwelt der schottischen Hebriden 24.4. - 4.5. 2023

  • Jetzt habe ich mich doch endlich mal entschlossen, mich an einem Reisebericht zu versuchen. Dass fast schon ein Jahr seit meinen guten Vorsätzen und der Reise selbst vergangen sind - :ssorry: Aber ich werde mir Mühe geben, möglichst wenig Tippfehler einzubauen und ein paar Eindrücke und Informationen aufzuschreiben: in Kürze findet ja die gleiche Reise mit SPITSBERGEN wieder statt.

    Leider werdet Ihr auch auf Fotos verzichten müssen - seit einigen Jahren gibt es nur noch Kopfkino bei mir und praktisch keine Kamera, die mir vielleicht noch aus dem Rollator fällt...

    So ging es los:

    Am 22. April flogen wir bereits von Frankfurt/Main los, weil wir noch 2 Tage in Glasgow verbringen wollten, um wenigstens ein paar Highlights dieser schönen Stadt erkunden zu können. Da ich Assistenz-Service gebucht hatte, wurden wir am Flughafen in Glasgow gleich von einem älteren Herrn erwartet, der uns an Passkontrolle und Gepäckausgabe vorbei bis zum Taxistand vor dem Gebäude brachte und uns dabei noch prächtig und nonstop unterhielt. Obwohl ich eigenbtlich recht flüssig Englisch spreche und verstehe, brachte mich der Glasgower Akzent, durchs Gebiss gesprochen und leicht nuschelig, teilweise doch an meine sprachlichen Grenzen. Aber wir haben uns alle drei prächtig amüsiert.

    Ein Taxi brachte uns dann für 30 englische Pfund ins Hotel. Der Flughafenbus wäre ähnlich praktisch und preisgünstiger, aber Komfort ist alles in unserem fortgeschrittenen Greisenalter... Wir hatten für 2 Nächte das VoCo Grand Central direkt am Hauptbahnhof gebucht, ein großer alter, aber schön renovierter , viktorianischer Kasten direkt mit Blick ins Bahnhofsgebäude. Dieses Hotel kann ich problemlos weiterempfehlen - ein gemütliches Zimmer mit Lusxusdusche, leckeres schottisches Essen (Frühstücksbufett und Abendessen im Tarif) und dazu die unglaubliche Freundlichkeit und Herzlichkeit des gesamten Personals.

    An den nächsten beiden Tagen erkundeten wir noch einige Sehenswürdigkeiten wie z.B. das sehr empfehlenswerte Museum of Transport mitsamt dem daneben liegenden und zur Besichtigung freigegebenen Segelschiff, bevor wir am 24. per Taxi nach dem 35 km entfernten Einschiffungshafen in Greenock aufbrachen.

    Unsere ursprüngliche Idee, per Zug nach Greenock zu fahren, hatten wir mittlerweile aufgegeben. Bahnhof und Terminal lagen in Greenock noch einige Kilometer auseinander, das war uns doch zum kompliziert. Der Hotel-Concierge vermittelte uns ein günstiges Taxi direkt zum Hafen. Die Preise jeweils für Hin- und Rückfahrt (dann von Greenock zum Flughafen) lagen 2023 bei 45-50 brit. Pfund.


    24.4. Einschiffung in Greenock und erste Eindrücke von der SPITSBERGEN:


    Ich bin sehr gespannt, ob die in diesem Jahr Reisenden berichten können, dass das Hurtigruten-Terminal jetzt fertiggestellt ist. Bei uns war es das noch nicht, so dass unser Fahrer uns mit intensivem Einsatz des Navis und der Straßenadresse, die ich ihm geben konnte, auf einem Parkplatz im Industriehafen neben einer Spielhölle und vor einem großen Zelt, so Marke Bierzelt, absetzte :huh:

    45 Minuten waren wir vor unserer uns genannten Einschiffungszeit da, aber nur ein einzelner sehr netter Mensch empfing uns. der uns hilfsbereit die Koffer abnahm und in eine Zeltecke stellte.

    Leider hatte man noch nicht einmal daran gedacht, ein Dixi-Klo an der Halle aufzustellen, so suchten wir die notwendig gewordene Zuflucht in der 100 Meter entfernten Bingohalle , in der schon viele Menschen an diesem sonnigen Vormittag ihre Rente (?) verzockten und wo man uns sehr freundlich gestattete, die Toilette zu benutzen. An dieser Stelle nochmals meinen intensiv empfundenen Dank...

    Das Einchecken auf dem Schiff verlief dann , nachdem der Rest des dafür nötigen Personals schließlich eingetrudelt war, schnell und effizient. Das Handgepäck und man selbst wurde gescannt, und dann ging's mit einer kurzen Busfahrt von nur wenigen Metern durch das Industriegebiet zur SPITSBERGEN, wo uns freundlichge Mitarbeiter des Expeditionsteams schon erwarteten. Nach schnellem Einscannen der Bordkarte mit "Welcome" stiefelten erst einmal los, um unsere Kabine auf Deck 6 zu inspizieren.

    So eine komfortable Kabine hatten wir, glaube ich, noch nie, obwohl auch unsere Mini-Suite auf der RICHARD WITH im Jahr zuvor schon schwer verwöhnt hatte mit ihren großen Fenstern. Nun gehört "Krösus" durchaus nicht zu unseren Verwandten, aber durch mehrere bereits bezahlte und von Hurtigruten abgesagte Reisen hatten wir viel Guthaben angesammelt, so dass wir uns diesmal auf der "Spitsbergen" eine Balkonkabine gönnten. Sofort nach Erscheinen dieser Reise gebucht, konnten wir die 630 auf Steuerbord ergattern, d.h. mit schmalem Balkon und perfektem Blick auf die Plattform, von der die Zodiacs gestartet werden. Rote Jacken dann überall!!!

    Die riesigen Fenster, eine kleine Sitzgruppe, und mit das bequemste Bett, in dem ich je auf Schiffsreisen geschlafen hatten, trugen zum Wohlbefinden bei, kaum dass wir das Schiff betreten hatten. Ein großer begehbarer Kleiderschrank nahm, Jacken, Schuhe usw. auf, für Pullover,Wäsche etc. war der Stauraum dagegen ein wenig knapp, allerdings gab es noch Ablagemöglichkeiten über dem Bett. Auch im Bad war großzügig, aber in bezug auf Ablagemöglichkeiten ein wenig kahl, so dass wir bis auf die Zahnbürsten alles in den Kulturtaschen ließen. Das war uns persönlich etwas zu viel nordisches Design.

    Überrascht wurden wir mit einer leckeren Mokka-Geburtstagstorte, Sekt, einem Obstkorb und einer wohl gefüllten Mini-Bar. Da wir aber hauptsächlich Wasser, Tee und Kaffee trinken und Getränke bei den Mahlzeiten inkludiert sind, haben wir den größten Teil des Inhalts gar nicht genutzt.

    Direkt nach der Ankunft gab es für Suitengäste einen Imbiss im Restaurant mitsamt einem Glas Sekt, der uns perfekt auf die Leckereien und kulinarischen Genüsse dieser Reise einbstimmte - Lachsrouladen, Lachsbrötchen, Schinken - alles war excellent, frisch von bester Qualität und absolut lecker. Die gleichen Leckereien, dazu noch eine Suppe wurden übrigens aber auch im öffentliuchen Bereich in der Lounge angeboten.

    Die Abschottung der Suitengäste auf vielen "normalen" Kreuzfahrtschiffen missfällt uns ja sehr, außerdem war diese Suite auf der SPITSBERGEN tatsächlich eine Ausnahme, die wir allerdings auf der Reise sehr zu schätzen lernten.

    Was wir nicht wussten bzw. auch nicht kommuniziert wurde war die Tatsache, dass eine Ausschiffung zu den angefahrenen Zielen ausschließlich mit den bordeigenen Zodiacs stattfand, und nicht, wie von uns vielleicht naiverweise gedacht, mit den regulären Tenderbooten. ( Andere Expeditionsschiffe, die uns begegneten, taten dies allerdings durchaus wie z.B. das französische Schiff l'Austral, was natürlich auch dazu führte, dass erheblich mehr Menschen gleichzeitig ausgeschifft werden konnten.) So war uns nicht nur die bienenfleißige Crew vom Expeditionsteam bis zum Kellner behilflich, jeweils zu acht das Boot zu besteigen. Mit festem Seemannsgriff hievte man mich auch hinein, aber immer wieder war es zu windig und zu schaukelig, d.h. auch nicht ungefährlich. Aber es war wirklich bewundernswert, wie sich das Expeditionsteam bemühte, auch uns Passagiere mit Geh-Handicap mitzunehmen. Aber schließlich war es eine Reise in Schottland im Frühjahr und nicht die Karibik, d.h. häufig sehr kalt, stürmisch und schaukelig und vor allem auch nass, wenn man keine Regenhosen trug. An zwei Tagen war der Wellengang so stark, dass wir auf die Ausschiffung verzichteten, und an zwei weiteren Tagen waren Wellen und Dünung so stark, dass die Zodiacs überhaupt nicht zum Einsatz kommen konnten und wir die jeweiligen Inseln nur von weitem sahen.

    Später mehr... Fortsetzung folgt.

  • Jetzt hatte ich noch fleißig weitergeschrieben, aber dann stürzte der Computer ab... :dash: :dash: :dash: . Wenn ich den Text nicht gleich restaurieren kann, geht es erst morgen mit dem Restaurant und seinem leckeren Inhalt weiter! :essen:

  • Ich vermute Saedis hat auch auf dem Computer vorgeschrieben. Unser Editor speichert Texte auch und beim erneuten Aufruf werden diese wieder angezeigt.

    Gruß Jobo,


    Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste.
    - Susan Sontag -


    (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)


    event.png

  • Ich hatte tatsächlich auf der Forumsseite vorgeschrieben und auch gehofft, dass es wieder aufrufbar ist. Aber der Text hat den Systemabsturz dann doch nicht überlebt... Später geht es dann weiter, versprochen... Ja, den ersten Teil hatte ich noch zusätzlich auf WORD gespeichert, vielleicht eine gute Idee, dort vorzuschreiben - Versuch macht kluch... 8)

  • Freue mich auf Deinen Bericht; denn diese Tour habe ich noch nicht gemacht und bisher nur in Nebenwindungen des Hirns darüber nachgedacht. Jedenfalls hat das Kopfkino jetzt schon gut angefangen.

  • Nun kann es ein Stück weitergehen - irgendwie habe ich das Gefühl, ich schreibe zu viel, denn ich bin ja noch immer nicht bei der Reise selbst angekommen... Na ja, ohne Fotos liest es sich vielleicht schneller...


    So, jetzt will ich wirklich noch ein bisschen weiterschreiben! Es macht auch eigentlich Spaß, die Reise nach einem Jahr nochmals Revue passieren zu lassen, auch wenn ich manche Einzelheiten, z.B. auch die Namen des Expeditionsteams, nicht notiert habe.


    Verlassen habe ich Euch kurz vor dem Auslaufen aus dem Hafen von Greenock – das Abenteuer beginnt mit einem letzten Blick auf das schottische Festland - schööööön – im Abendlicht.


    Aber nun freuen wir uns auf das RESTAURANT AUNE, das uns noch häufig und begeistert sehen wird…. :essen:


    An sich war wohl geplant, dass man sich für die Mahlzeiten (Tisch/Zeit) per App. anmelden konnte. Die funktionierte aber leider nicht, feste Tischzeiten und Plätze wurden nicht vergeben, so dass es immer ein Vabanque-Spiel war, welchen Tisch man zu welchen Tischzeiten ergattern konnte. Positiv gesehen führte das zu vielen netten Zufallsgesprächen nach links und rechts, denn auch die 2-er-Tische fanden sich meist in einer Reihe nebeneinander.


    Frühstück gab es von 7-9 Uhr, Mittagessen von 12.00 bis 14.00 Uhr, abends konnte man zwischen 18-20 Uhr zum Essen kommen. Die begehrten Plätze an den wenigen 2-er Tischen am Fenster waren so schnell bereits zu Beginn der Tischzeiten vergeben, mit etwas Glück dann auch, wenn zwischendurch etwas frei wurde, denn es wurde in Windeseile wieder frisch eingedeckt. Es gab keine festen Plätze, Restaurantchef(und –chefin) und die wunderbare und fröhliche Restaurantcrew führten nach Nennen der Zimmernummer und eventuellem Tischwunsch („ table fort wo, please“) zu einem freien Tisch.


    Morgens, mittags und abends gab es jeweils ein üppiges Büfett, z.T. mittags und abends mit einem speziellen Thema, z.B. asiatische Küche, US –Spezialitäten, italienisch usw. sowie eine Carving-Station, an der etwa Hühnchen, ein veritabler ganzer Truthahn, Lammrücken etc. aufgeschnitten und serviert wurden. Die große und leider auch sehr leckere Auswahl verleitete immer dazu, doch ein bisschen mehr zu essen, als man eigentlich vorhatte, denn auch kleine Mengen verleiten dazu, insgesamt mehr zu essen als man eigentlich vorhatte und summieren sich letztlich auf der Taille. Bereits vor dem Erleben und Befürworten des Havila-Konzepts wollten wir auch nicht zu viel auf dem Teller zurücklassen. Zum Glück wiederholte sich vieles bei der täglichen Auswahl – das machte es einfacher…. Die jeweiligen Tagesgerichte konnte man vor dem Restaurant und auf der App ( das funktionierte, ebenso wie das Tagesprogramm) einsehen, auch z.B. die Weine des Tages.


    Die Vorspeisen und Salate waren immer besonders lecker. Die warmen Hauptgerichte waren z.T. gut, z.T. merkte man aber auch deutlich, dass vorgerichtet und warmgehalten worden war, auch schien der Fisch nur aufgetaut und zubereitet worden zu sein und in Konsistenz und Geschmack recht mittelmäßig. Da hat es uns auf den Küstenfahrten mit Hurtigruten oder manchen Kreuzfahrten auf kleineren Schiffen, wo noch einige Lebensmittel frisch eingekauft und verarbeitet werden, häufig besser geschmeckt. Auch das vorgelegte Brot hatte uns persönlich oft zu viel Weißmehl. Aber vieles war wirklich excellent, das Eis zum Nachtisch z.B. selbst gemacht.


    Inkludiert waren zu den Mahlzeiten Softdrinks, Wasser, auch Mineralwasser, Bier und recht ordentliche Weine verschiedener Herkunft, z.B. aus Italien, Frankreich, Deutschland, Australien in weiß, rot oder rosé, die auch immer mal alle paar Tage wechselten. Auch Kaffeespezialitäten konnten bestellt oder am Automaten selbst gezapft werden. Allerdings ging die gute Auswahl an Teebeuteln schnell zur Neige und das Angebot schien wie aus den Ecken des Lagers herbeigekratzt, so dass ich froh war über meinen wie stets mitgenommenen Notvorrat an Tetley’s Tea bags…


    WER FUHR MIT ?? Deutsch wurde gar nicht so häufig gesprochen wie vermutet, wobei ich schon die oft vertretenen Nachbarländer Österreich, Schweiz und Bayern :ahahaha: mitzähle. Der Hauptanteil der Mitreisenden sprach Englisch. Erstaunlich viele, mit denen ich zwischendurch schwätzte, kamen aus Schottland selbst, sehr viele aus Edinburgh, aber auch aus den Nachbarländern Irland/Nordirland und Wales. Viele erzählten uns, dass sie die Gelegenheit nutzten, einmal per Schiff die kleineren Inseln der Hebriden kennenzulernen bzw. überhaupt die westliche Inselwelt Schottlands. Auch Australien, Kanada, die USA und einige andere Nationalitäten waren vertreten. Bordsprache war auf dieser Reise im wesentlichen Englisch, wobei sich das z.T. deutsche Expeditionsteam auch rührend um die deutschsprachigen Mitfahrer kümmerte und z.B. per Kopfhörer die Vorträge simultan übersetzte. Überhaupt muss ich an dieser Stelle ein riesengroßes Lob sowohl an das internationale Expeditionsteam und den Rest der Crew aussprechen, die trotz eines riesigen Arbeitspensums immer fröhlich, den Passagieren zugewandt und bienenfleißig uns von morgens bis abends umsorgte.

    Im nächsten Teil geht es aber nun endlich zu den Inseln! Ich gebe mir Mühe, bald weiterzuschreiben! :yeah:

  • Ich habe das sogar schon mal auf der Küstenfahrt erlebt, dass die hauptsächlich gesprochene Sprache englisch war und Deutschsprachige in der Minderzahl waren.

    Meine Fahrten: FINNMARKEN - NORDLYS - NORDNORGE - KONG HARALD - VESTERÅLEN - LOFOTEN (5X) - FRAM

    Reiseberichte siehe Profil !


    s-event.png s-event.png

  • so dass ich froh war über meinen wie stets mitgenommenen Notvorrat an Tetley’s Tea bags…

    Oh noch eine Süchtige ;) Ohne meine Tetley teabags geht's in keinen Urlaub. HR hat zwar in der Regel Twinings, aber kein Vergleich zum starken Tetley, gerade wieder aus England mehrere 400er bags im Fluggepäck heimgeschleppt.

  • Saedis : Da geht es mir so wie Omlia. :o-thumbup

    Schottland interessiert mich auch und ganz besonders ein Bericht über eine Schottlandreise mit der SPITSBERGEN, da ich vor sieben Jahren auch mal eine "Expeditions"reise mit diesem Schiff (Bergen->Orkneys->Shetlands->Faeroer->Heimaey->Reykjavik) gemacht habe. Mit dem Schiff (einschließlich Kabine und Crew) war ich sehr zufrieden und würde damit jederzeit wieder reisen, mit dem organiatorischen Teil der Reise war ich teilweise weniger zufrieden. Nun bin gespannt auf die Fortsetzung deines Berichts.


    Gruß

    Sterna :o-smile

  • Sterna paradisaea : Deinem Kommentar kann ich durchaus zustimmen, ohne dem Fazit etwas wegzunehmen: die Spitsbergen ist ein wunderbares Schiff, aber der organisatorische Teil dieser Reise ließ schon noch Luft nach oben.


    Aber nun geht es endlich auf zu den Inseln!




    Ein herrlicher Sonnenuntergang in allen Varianten von orange und rosa und ein nicht minder spektakulärer Sonnenaufgang machten Lust auf einen ersten Inseltag. ARRAN, recht nahe noch am Festland gelegen, war unser erstes Etappenziel.

    Meine morschen alten Knochen führten – medizinisch nicht, aber seelisch korrekt – zu leichtem Herzklopfen ob der ersten Besteigung der Zodiacs, um die Strecke zum Hafen der Insel zurückzulegen. Warum schrumpfen die Dinger eigentlich vor dem Besteigen???? Aber natürlich ging alles gut und man vergaß alles Herzklopfen schnell – der Wunsch, auf die Insel zu gelangen und die tapfer und erfahren zupackende Crew machten es überflüssig.

    Das milde Klima von Arran zeigte sich bereits rund um den Hafen; die Vegetation erinnerte eher an südliche Gefilde ( „war der Kapitän falsch abgebogen?“) , nur die auf die Straße gemalte Erinnerung „Look left“ machte uns klar, dass wir in Schottland sind und straßentechnisch umdenken müssen.

    Durch die Vorsaison war es noch ruhig auf der Insel, aber viele, viele Parkplätze entlang der Hafenstraße gaben einen Vorgeschmack auf die kommende Saison, ebenso wie hübsche Hotels, Bed&Breakfast places und natürlich die zu den Hebrideninseln gehörigen Whisky Destilleries und Shops, die von den ersten Ausflüglern bereits eifrig gestürmt wurden.

    Überhaupt hatte man bei den Besprechungen der Ausflüge am Abend zuvor darum gebeten, dass man sich nur für einen der angebotenen Ausflüge in eine Whiskybrennerei entscheiden möge wegen des enormen Andrangs auf diese Ausflüge! Diese (kostenpflichtigen) Ausflüge waren übrigens auch die ersten, die ausgebucht waren. Zum Glück mögen wir britischen/schottischen/irischen Tee, aber keinen Whisky – und probieren ging sowieso überall in den vielen Geschäften in allen Varianten von mild bis torfig,

    Hurtigruten hatte einen kostenfreien Busshuttle zu den Gärten von Brodick Castle organisiert; von dort aus konnte man die ebenfalls inkludierte Wanderung zum Glen Rosa machen. An dieser Stelle sei gesagt, dass das Expeditionsteam, wo immer möglich, eine Wanderung anbot und auch genau erläuterte und kennzeichnete, wie hoch der Schwierigkeitsgrad war. Von diesen Wanderungen waren auch alle, mit denen ich sprach, sehr begeistert, wobei Wind und Regen und Wetter allgemein das Gehen wohl teilweise beschwerlich machten und einige auch nicht durchgeführt werden konnten wegen des Wetters bzw. zumindest abgeändert werden mussten.

    Brodick Castle selbst konnte wegen Renovierungsarbeiten nicht besichtigt werden, aber frei zugänglich war der wunderbare Landschaftspark mit alten, oft exotischen Bäumen, Wiesen voller Narzissen und den blauen englischen Hasenglöckchen. Dazu ein sog. Walled Garden mit gepflegten Staudenbeeten, austreibenden Rosen und blühenden Obstbäumen. Überall luden Bänke ein, das Vogelkonzert zu genießen und den frechen Rotkehlchen zuzusehen, die nur Zentimeter von den Füßen der Besucher nach Insekten suchten. Die Bänke waren übrigens gestiftet von Menschen, die dadurch an ihre Verstorbenen, an langjährige Ehejubiläen usw. erinnerten „In lovinbg memory of…“ , oft mit Hinweis auf die Freude, die man in diesem Park oft viele Jahre lang erleben durfte.

    Möglich war auch eine Besichtigung des inseleigenen Museums, auch dort hielt der Bus.

    Bemerkt haben wir an diesem Tag das enorme Bemühen des Expeditionsteams, alle Gäste trotz durchaus vorhandener organisatorischer Mängel zufriedenzustellen: man hatte im Vorfeld versäumt mitzuteilen, dass der gecharterte Bus eine zweistündige Mittagspause einlegen würde, und so waren wir und andere Gäste mit Handicap in den Gärten gestrandet, die den 5 km langen Rückweg zum Hafen nicht schaffen würden. Aber es wurde fleißig kommuniziert, telefoniert und gesträubte Haare bei einigen der Gäste geglättet – die Mittagspause wurde auf eine Stunde verkürzt. Wir hatten uns mittlerweile eine gemütliche Bank in der Frühlingssonne gesichert und im Kiosk eine Portion des absolut leckeren Eises besorgt, das von den heimischen Kühen der Insel stammte…


    Der zweite Tag führte uns auf die „Whiskyinsel“ Islay. Hier wird ein besonders torfiger Single Malt Whisky gebrannt – die bekannte Marke Laphroaig kennen oft auch Whisky-Ungeübte. Für viele unserer Mitfahrer waren auch hier die Brennereibesichtigungen das Highlight des Tages ; aber auch Wanderungen wurden wieder angeboten.

    Islay ist die südlichste Insel der Hebriden, etwa in gleich geogr. Höhe wie Glasgow oder Edinburgh. Sie gehört damit zu den Inneren Hebriden mit wirklich sehr reizvoller Landschaft und vielen Schafen. Die „Spitsbergen“ ankerte vor Port Ellen , dem Hauptfährhafen. Es gab keltische Steinkreise und schöne Strände zu entdecken, wenn man gut zu Fuß war. Der Einflkuss des Golfstroms macht sich wirklich durch ein recht mildes Klima bemerkbar. Wie auf all den anderen Inseln auch haben wir es sehr bedauert, nur wenige Stunden vor Ort zu sein – dieses Reiseziel bietet sich eigentlich für eine Reise per Fähre, Auto, Fahrrad usw. an.

    Auch störte uns schon die etwas umständliche Art, nur jeweils maximal 8 Personen per Zodiac über eine doch recht große Entfernung zum Hafen zu transportieren. Das kostete definitiv Zeit. Wir waren in 6 Bordgruppen eingeteilt, die sich zeitlich/ täglich abwechselten, dazu kamen Wander- und andere Ausflugsgruppen. Dieses System hat uns nicht sehr gefallen, musste man doch oft lange auf dem Schiff verbleiben, bis man „dran“ war. Auch war der Arbeitsaufwand für Expeditionsteam und Crew enorm. Wir haben uns schon gewundert, dass nicht doch in manchen Häfen mit größerer Kapazität für Schiffe nicht doch auch einmal die Tenderboote zum Einsatz kamen – die etwa gleich große „ l’Austral“ tat das ja auch.

    GIGHA ( ausgesprochen etwa gi:ja) ist eine kleine Insel nicht weit von Islay entfernt. Auch diese Insel ist „community-owned“, d.h. sie wurde 2002 von den Bewohnern gekauft und wird selbst verwaltet. Man bemüht sich insbesondere, die Insel energieunabhängig zu machen. Ein kleiner Flugplatz, ein Laden, Post und Kirche, das war’s schon fast, ein paar Ferienhäuser gibt es auch. Wie häufig auf den Inseln dort gibt es single-track roads mit kleinen Ausweichstellen. Wie überall inn Schottland funktioniert das gut, allerdings eher mit Einheimischen, wie uns jemand schmunzelnd erzählte.

    Hauptattraktion der Insel sind die Achamore Gardens .Jetzt im Frühling waren Rhododendren noch nicht in Blüte – dafür sind die Gärten berühmt - , wohl aber Kamelien. Durch das milde und feuchte Klima gedeihen Farnbäume aus Neuselland (!) oder auch Fuchsien in Hülle und Fülle. Für eine Gartenfreundin wäre der Besuch dieser Gärten ein Highlight der Reise gewesen. Leider hatten wir angesichts des kilometerlangen Fußmarsches ( einfach ca. 5-7 km) die Möglichkeit nicht. Das einzige Taxi (!) der Insel gehört dem Ladenbesitzer, der nach Auskunft des Expeditionsteams unabkömmlich war. Auch dies ist wieder ein Hinweis darauf, dass diese wunderschöne Reise eher geübten Wanderern viel Freude verspricht. Eine Möglichkeit, Fahrräder zu mieten gab es, glaube ich, nicht, und eines mitzunehmen verbietet schon allein der Passagiertransport im Zodiac.!




    Genug für heute! Morgen fahren wir zur Insel IONA!

  • Danke! Das ist ein interessanter gedanklicher Ansatz, denn bisher wurden auf all unseren Kreuzfahrten im Normalfall die Rettungsboote als Tenderboote benutzt. Vielleicht ist das auf SPITSBERGEN schwieriger oder man wollte halt den Expeditionscharakter unterstreichen.

  • Guten Morgen,


    Saedis vielen, vielen Dank für diesen Bericht. Wir werden in 2 Wochen genau die gleiche Reise starten und sind natürlich sehr gespannt auf Deine weiteren Berichte. Wenn es erlaubt ist schon einmal die Ankündigung, dass ich versuchen werde einen Live-Bericht zu machen. Aber dass dann natürlich in einem eigenen Thread...


    Viele Grüße


    Matthias

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!